1. Timotheus, 1695
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Hauß-Herren bräuchlich / und zu allem guten Werck bereitet. Die Universitäten sind ein solches Hauß / darinnen leider noch zur Zeit die meisten sich als unreine Gefässe beweisen / und sich in den Lüsten der Jugend herum weltzen. Wollet ihr nun rechtschaffene Diener GOltes werden / so müsset ihr euch reinigen von solchen Leuten / und die Lüste der Jugend ernstlich meiden / so werdet ihr dann (55) ein geheiliget Faß seyn / und nützliche Werckzeuge zu vieler Menschen Seligkeit. Timotheus hatte sich so lange als einen rechtschaffenen Christen bezeiget / dennoch ermahnete ihn Paulus / daß er fliehen solte die Lüste der Jugend. Wie soltet denn ihr nicht solcher Ermahnung hoch von nöthen haben / absonderlich bey dem so gar frechen und rohen Studenten-Leben / welchem leider auf denen Universitäten / zu grossem Schaden der gantzen Christenheit / mehr als zu viel nachgesehen wird? Paulus dringet allenthalben auf ein brünstiges Christenthum / und auch darinnen war Timotheus mit ihm eines Sinnes. Darum war es beyder Sinn und Meinung / nicht allein die Ubernehmung in den weltlichen Lüsten zu meiden / oder sich deren äusserlichen Ausf56,) Übung in etwas zu entschlagen; sondern auch gar dieselbige zu fliehen / d. i. alle auch die geringste Gelegenheit derselbigen mit allem Fleiß zu verhüten / und im Gegentheil nachzujagen / d. i. nicht laulichter Weise / sondern aus wahrer Inbrünstigkeit der Göttlichen Liebe / und in der Krafft JEsu Christi zu ringen nach der Gerechtigkeit / nach dem Glauben etc. 0 wie nöthig wäre es euch / daß ihr auch in diesem Stücke das Fürbild des Timothei euch öffters für Augen stelletet? Es finden sich ja wol einige / welche dann und wann eine gute Neigung von sich spüren lassen / aber sie wollen weder an dieses fliehen / noch an dieses nachjagen / sondern geben sich muthwillig in die Gelegenheit der sündlichen Lüste durch unnützen Zeit-Vertreib / böse oder (57) unerbauliche Gesellschafft / angemassete Freyheit in Worten und Wercken / Überladung | mit Essen und Trincken / oder deren unzeitige und unordentliche Geniessung / über- flüßiges Schlaffen / wollüstiges Spatziren-Reisen / fleischliche curiosität allerley neues zu sehen und zu hören / muthwillige Hegung der aufsteigenden Fleisches-Lüste j ^ Schertz / Narrentheidung / und allerley Gewäsche / dadurch das Hertz zum Bösen ent- zündet wird / Lesung lächerlicher oder garstiger und unverschämter Bücher / Liebes- j Geschichte und Romanen / und durch viele andere Dinge. Wie ist es denn müglich / ' daß das Gute bey dem Menschen zur Krafft komme / der dem Bösen so gar nicht widerstehet? daß einer den Feind abtreif 58Jbe / dem er Thür und Thor offen lässet? Ja ob wohl einer schlimmer ist als der andere / und einer die Lüste der Jugend weniger fliehet als der andere / so rede ich doch traun dißfals nicht allein mit denen / welche offenbahrlich böse sind / sondern auch mit denen / welche eine mehrere Hoffnung des Guten von sich erwecken. Es ist des Klagens offt viel / daß es mit dem Christenthum nicht fort wolle / aber man prüfet sich nicht / wie man GOtt so gar ungetreu sey / und sich seinen Geist nicht wolle regieren lassen / sondern zugleich seines Sinnes leben / und GOtt dienen wolle. Es hat noch nie einem gefehlet / dem es ein rechter Ernst gewesen; aber wer sein eigenes Leben / und die Lüste seines Fleisches mehr liebet denn Christum / der ist seiner nicht werth / und ist dann auch kein (59) Wunder / daß er sich der Krafft Christi nicht rühmen könne.
So habe ich euch nun zum andern mahl / ihr Studiosi Theologiae, den Timotheum in einigen Stücken zu einem Fürbilde fürgestellet. Es könte noch in vielen Stücken mehr geschehen. Doch hoffe ich / GOtt werde mir auch hiedurch einen Segen an euch sehen lassen / gleich wie er die erste Fürstellung nach seiner Barmhertzigkeit nicht ohne Segen gelassen hat. 23 Ich habe euch so schlecht und einfältig geschrieben / als mir möglich gewesen ist. Denn ihr habt Lehrer genug / welche euch nur suchen mit
23 Vgl. vorl. Ausg., S. 154.
12 Peschke, Franoke-Werke