2. Idea Studiosi Theologiae, 1712

Die Idea ist ebenso wie derTimotheus aus den paränetischen Vorlesungen erwachsen. Francke hatte in ihnen den Studenten mehrfach vorgetragen,was man an ihnen finden würde / wenn sie der hieselbst habenden Anleitung in allen Stücken gehörige Folge leisten / und also durch den Segen GOttes dahin gelangen möchten / daß sie recht nach dem Sinn und intention ihrer Lehrer geartet und beschaffen wären. Um diese Vorstellungen deutlicher zu machen, wurde dabei von ihm mehr­malseine gantz kurtze Idea oder Abbildung gegeben /wie ein Studiosus Theologiae (1) im Christenthum / (2) in den Studiis / (3) in äusserlichen Sitten / und (4) in allem seinen übrigen Verhalten beschaffen seyn solle / so er anders wolle für ein brauchbar und nützlich Werckzeug von verständigen Leuten erkant werden. Um den münd­lichen Vortrag zu unterstützen, hat Franckeeine solche Abbildung nicht nur zu erst schrifftlich aufs kürtzeste entworffen / sondern auch nachhero so weit extendiret / daß dieselbe allen Studiosis Theologiae zu einer beqvemen Handleitung in ietzt- gedachten vier Stücken dienen kan (Idea, Vorrede an den Leser).

Nachschriften der erwähnten Vorlesungen sind nur vereinzelt erhalten geblieben. Auch von den Vorlesungsreihen, die Francke nach der Veröffentlichung der Idea mehrfach über diese Schrift gehalten hat, finden sich nur noch wenige Spuren. Ein Vergleich mit den vorhandenen handschriftlichen und gedruckten paränetischen Vorlesungen bestätigt aber, daß die Idea die Kerngedanken des Collegium paraeneti- cum zusammenfaßt, soweit es um die Anleitung der Studenten zur Frömmigkeit und Wissenschaft geht.

1712 wurde die Idea erstmals veröffentlicht (1758 5 ). In einem Anhang hat Francke zugleich Anweisungen gegeben, wie das Theologiestudium in Halle am besten durch­zuführen sei. Wir folgen dem Erstdruck aus dem Jahre 1712. Aus Raumgründen wurden einige Anmerkungen gekürzt. Ebenso wurde auf den Abdruck des Anhangs verzichtet, um den Hauptteil der Idea geschlossen bringen zu können.

IDEA STUDIOSI THEOLOGIAE, oder Abbildung eines der Theologie beflissenen / wie derselbe sich zum Gebrauch und Dienst des HErm und zu allem guten Werck gehöriger Maassen bereitet;

Benebst einem Anhang /

bestehend in einer Ansprache an die Studiosos Theologiae zu Halle: zur Handleitung für alle / so Theologiam studiren / zur wahren Nachricht von dererselben Anführ ung auf gedachter Universität / mithin zur allgemeinen Erbauung /

so weit als darin zum Christlichen / geordneten / und vorsichtigen Wandel eine kurtze Anweisung gegeben wird / ertheilet von August Hermann Francken / S. Theol. Prof. & Fast.

Halle / in Verlegung des Waysen-Hauses / 1712

( 1 ) § 1 .

AN einem Studioso Theologiae suchet man zuerst und vor allen Dingen j daß sein Hertz rechtschaffen sey vor GOtt.