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IV. Schriften zum Studium der Theologie
liehe Liebe und Hochachtung / gehet mit demselben stets um / und lieset und betrachtet dasselbe nicht zum eiteln Wissen (*das ihn leicht aufbläset) sondern hält es für die Regel / daraus er lerne / wie er vor GOtt in Christo beschaffen seyn müsse / daß er demselben wohlgefalle / und die ewige Seligkeit als ein wahres Kind Gottes erlange. Deswegen er sich auch befleißiget / bey dem Lesen und Betrachten sein Hertz unverrückt zu GOtt zu richten; und (6) denselbigen bittet / daß er ihm nicht allein die Augen öffne / das Geheimniß seiner Wahrheit zu erkennen / sondern auch sein Hertz kräftiglich erwecke und antreibe / daß es solche Wahrheit im Glauben und Liebe treulich annehme / bewahre / und also durch dieselbe in Christo geheiliget und selig werde. Denn er weiß / daß / wo er das heilige Wort Gottes nicht also und zu dem Ende brauchet / daß er zuvörderst ein wahrer Christ dadurch werden möge j ihm dasselbe / wenn er auch gleich / nach der äusserlichen Wissenschaft / der Schrift Meister* würde / keinen wahrhaftigen Nutzen geben werde / den er sonst aus demselben nach Gottes gnädigem Willen schöpfen solte und könte.
§. 6 .
Sonst und ausser der heiligen Schrift lieset ein verständiger Studiosus Theologiae nicht allerley was ihm vorkomt / sonfTJdern was er zum wahren Christenthum gehöriges lieset / muß auserlesen und keine unreiflfe / oder gar schädliche Frucht seyn / d. i. es muß so beschaffen seyn / daß er ungezweifelt dadurch zum gründlichen Verstände und Gebrauch der heiligen Schrift angeleitet und seine Seele zu einem heiligen Tempel Gottes auf dem Grunde der Apostel und Propheten / da Jesus Christus selbst der Eckstein ist* wol zubereitet werden könne / weil er sonst leicht seine Zeit verlieret / sich im Christenthum und dessen Fortgang sehr auf hält / und durch die indiscrete oder unvorsichtige Lesung allerley / zumal mystischer / und mit schweren Redens-Arten angefülleter Schriften / da er der Gabe der Prüfung noch ermangelt / nur immer confuser wird / und nie zu einem gesetzten Wesen eines rechtschaffenen Christen / so wol was die Lehre / als was das Leben betrifft / gelanget / welches doch an eifßjnem Studioso Theologiae, und künftigen Diener CHristi am Evangelio / vor andern gleichfalls rechtschaffenen Christen in besonderm Maaß und Kraft soll erfunden werden. Johann Arnds Bücher aber vom wahren Christenthum mögen / nach der H. Schrift / sein sonderlich familiäres Buch seyn / und es in seinem gantzen Leben bleiben / immassen sie ihn auf den rechten Apostolischen Grund der Buße / des Glaubens und der wahren Gemeinschaft mit GOtt in Christo JEsu weisen / und ihm nicht nur zum Anfänge / sondern auch zum gesegneten Fortgange im Christenthum dienen werden. 3 *
§• 7 -
Er ist nicht so wol beflissen viel zu lesen / als das / was er lieset j recht zu verstehen j sich gründlich darnach zu prüfen / und es (9) dergestalt ins Leben zu verwandeln / daß man nachhero das gute / so er gelesen / an ihm in der wahren Kraft und Fülle antreflfen möge / und er so sey / wie es die heylsame Lehre unsers HErrn JEsu
S.5 *1. Cor. 8,1.
S.6*1. Tim. 1,7. Joh.3,10.
S. 7 *Ephes. 2,20.21.22.
3 Über Franckes Stellung zur Mystik und seine Hochschätzung von J. Arnds ,.Wahrem
Christentum“ vgl. vorl. Ausg., S. 20411.