2. Idea Studiosi Theologiae, 1712
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Christi von ihm erfordert und haben will. Denn so sollen nicht nur alle treue Lehrer und Diener Christi beschaffen seyn; sondern es ist auch dis eben die Sache / wornach ein jeder Christ insgemein eyfrig zu ringen hat / daß er es in der That und Wahrheit verlangen möge.
§. 8 .
Sein Hertz und seinen Sinn / den er in CHristo JEsu hat / oder doch immer lauterer / völliger und kräftiger zu erlangen / inniglich wünschet / findet er ausgedruckt in den Worten Pauli*: Ich achte es alles (dessen ich mich sonst nach dem Fleisch rühmen könte) für Schaden / gegen der ü(10)berschwenglichen Erkänntniß Christi JEsu meines HErrn / um welches willen ich alles habe für Schaden gerechnet / und achte es für Dreck / auf daß ich Christum gewinne / und in ihm erfunden werde / daß ich nicht habe meine Gerechtigkeit / die aus dem Gesetz / sondern die durch den Glauben an Christum kommt / nemlich die Gerechtigkeit / die von GOtt dem Glauben zugerechnet wird / zu erkennen Ihn und die Kraft seiner Auferstehung / und die Gemeinschaft seiner Leiden / daß ich seinem Tode ähnlich werde / damit ich entgegen komme zur Auferstehung der Todten / nicht daß ichs schon ergriffen habe / oder schon vollkommen sey; Ich jage ihm aber nach / ob ichs auch ergreiffen möchte / nach dem ich von JEsu Christo ergriffen bin. Meine Brüder /ich schätze mich selbst nicht / daß ichs ergriffen habe; eines aber sa(ll)ge ich / ich vergesse / was dahinten ist / und strecke mich zu dem das da fornen ist / und jage nach dem vorgesteckten Ziel / nach dem Kleinod / welches vorhält die himmlische Beruffung Gottes in CHristo JEsu. Und weil er seinen Sinn darauf gerichtet hat / daß er nicht nur seine eigene Seele errette / sondern daß er sein gantzes Leben unter göttlicher Führung auch zum Dienste und Errettung anderer Seelen treulichst anwende / so ist ihm das Wort des HErrn JEsu desto tieffer in seine Seele gedrucket/da er spricht: *Will mir jemand nachfolgen / der verleugne sich selbst / und nehme sein Creutz auf sich und folge mir. Denn wer sein Leben erhalten wil / der wirds verlieren; wer aber sein Leben verleuret um meinet willen / der wirds fin(12)den.* So ist nun das seine Cynosura, oder die Richtschnur seines Laufs / worin ihm auch Christus selbst vorgegangen / daß er sich selbst verläugne und sein Creutz auf sich nehme / und zwar daß er solches thue NB. um Christi willen / oder wie es Paulus ausdrücket / daß er alles für Schaden und Dreck achte gegen und von wegen der überschwenglichen Erkänntniß JEsu Christi (dtä rd vtieqe'/ov rfjg yvcbcrecos Xqiotov ’IrjOov) seines HErrn j und nicht suche das seine / sondern das CHristi JEsu ist.**
§• 9 .
Bey einem solchen Sinn und da er unter der Gnade ist / wird und mag auch kein herrschendes Laster an ihm (13) gefunden werden. * In seinen Fehlern und Gebrechen aber lässet er sich gerne von einem jeglichen Menschen erinnern / ja er freuet sich der Erinnerung / ob er gleich manches dagegen einzuwenden hätte / und in der That das kein Fehler wäre / den der andere für einen Fehler hält. Denn er nimmt daher Gelegenheit die Sache besser zu prüfen / und weiß sonst manchen guten Nutzen aus der i hm gegebenen Erinnerung zu ziehen.
S. 9 *Phil. 3,8-14.
S.ll *Matth. 16,23.24.
S. 12 *Matth. 10,38. Marc.8,34. Luc.9,23. Joh.12,25. **Phil.2,21. S. 13 *Rom. 6,14.