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IV. Schriften zum Studium der Theologie

§ 10 .

Um deßwillen entschuldiget er sich nicht eben gegen alle Erinnerungen / sondern dis thut er nur / wenn es die Ehre Gottes und die Liebe des Nechsten erfordert / damit er nicht durch unnöthige Entschuldigung die heimliche Hoffart / so dem mensch­lichen Hertzen immer anklebet / unterhalte / und ver/J4J mehre. Wenigstens hütet er sich mit Fleiß / daß er ja niemals dem / der ihm seine / auch nur vermeynte Fehler/ anzeiget / mit rauhen Worten und Gebärden begegne / und ist ferne davon / daß er deßwegen einen Haß oder Widrigkeit auf ihn werffen solte; Er spricht vielmehr mit David: Der Gerechte schlage mich freundlich und straffe mich / das wird mir so wohl tliun als ein Balsam auf meinem Haupt.*

§. 11 .

Er ermuntert sich täglich / ja auch des Tages zum öftern / daß er sich aus reiner Liebe zu GOtt und seinem Heylande /und also nicht in einem** knechtischen / sondern vielmehr kindlichen / willigen und freudigen Geist / den das Evangelium mit sich bringet / so wol (15) wenn er allein ist / als im Umgänge mit andern / alles dessen entschlage / was GOTT mißfällig ist / und in seinem Dienst ihn unbrauchbar oder nur weniger fruchtbar machen könte; hingegen aber sich alles dessen immer ernstlicher befleißige / was ihn zum gemeinen wahrhaftigen Nutzen des Nechsten brauchbarer und geschickter machet.

§ 12 -

Er setzet in der stetigen Ausbesserung seiner Fehler einen grossen Theil seines Fortgangs in seinem Christenthum; und wenn er derselben gewahr wird / so hält er sich darüber nicht auf mit vergeblicher und allzugrosser Beunruhigung des Ge- müths; sondern bittet dieselben GOTT demüthig und kindlich ab / und suchet sie ernstlich und ohne Zeit-Verlust / jedoch mit stillem und sanfften Geiste / unter An- rufiung (16) göttlichen Beystandes / zu verbessern. Indem er nun dergestalt in der stetigen Ausbesserung seiner Fehler beschäfftiget ist / richtet er sonderlich seinen vornemsten Kampff gegen diejenige Sünde / welche vor andern über ihn in seinem gantzen Leben vor seiner Bekehrung geherrschet / und hernach immer aufwachen wil / damit er nicht aufs neue davon überwunden werde.

§ 13 .

Aus allem seinem Thun und Lassen kan man abnehmen / daß er allem was wahr­haftig ist / was erbar / was gerecht / was keusch / was lieblich / was wohl lautet / so etwa eine Tugend / so etwa ein Lob ist j nicht nur nachdencke / sondern sich auch ergebe; wie Paulus dazu die gläubige Philipper insgemein anweiset* / allermassen denn ja vornemlich dieje(T7/nige solcher Anweisung zu folgen haben / die allen andern darin vorleuchten / und Knechte des lebendigen Gottes an seiner Gemeine werden sollen.

§ 14 .

Er ist nicht eiteler Ehre geitzig* sondern fliehet solche Thorheit und Sünde / als einen Haupt-Feind; er bittet aber täglich Christum um die rechte Hertzens Demuth;

S. 14 *Ps. 141,5. **Rom. 8,15. S. 16 *Philip.4,8.

S. 17 * Gal. 5,26.