2. Idea Studiosi Theologiae, 1712

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und suchet in allem seinem Vornehmen Gottes Ehre allein und von Hertzens-Grunde / ja trachtet sie immer hertzlicher und lauterer zu suchen.

§. 15.

Er hütet sich für allem ausschweiffenden Wesen / und gewöhnet sich nicht zum Müßiggang / Zeitverderbender Gesellschaft / unnützen Reisen / und anderen (18) dem Christlichen und äusserlichen Beruf hinderlichen Dingen; Sonderlich meidet er alle Trunckenheit / Saufferey und Schmauserey / alle unnützliche und Zeitverbringende / geschweige offenbarlich böse Gesellschaft / allerley Arth von Spielen / als die zum wenigsten das Gemüth von GOtt divertiren oder abkehren / dahin auch das Welt­übliche Tantzen gehöret / alle Trinck- und andere Oerter / deren Besuchung ihm selbst zu sündlichem Wesen Gelegenheit geben / oder doch andern zum Anstoß gereichen möchte; alle Comoedien / Opern und öffentliche Narren-Spiele / und andern Zeit-Verderb irdisch gesinneter Menschen / alles eitele spatzieren gehen / rei­ten / fahren; und im Winter das unnützliche / eitele und also auch sündliche / Schlitten-Fahren / u. s. f. Er gewöhnet sich aber vielmehr zur Eingezogenheit und zur Arbeitsamkeit / jedoch mit der Bescheidenheit / daß er nicht durch eine nur eigen­willige und affectirte Einf' 19) samkeit etwa Leutscheu und eigensinnig werde / noch / unter dem Schein der Arbeitsamkeit / mit unzeitiger und ungemäßigter Geschäftig­keit seine Seele des göttlichen Friedens / und der innern Gemeinschaft mit GOtt / den Leib aber der edlen Gesundheit / beraube.

§. 16.

Wahre Keuschheit des Gemüths achtet er als seine Krone. Wird er demnach etwan durch sein sündliches Fleisch und Blut zu bösen Lüsten und unkeuscher Liebe / wider seinen Willen / gereitzet; so erkennet er daraus zu seiner Demüthigung sein tiefes Verderben / betet ernstlich darwider / betrachtet fleißig die überschwenglich­grosse Liebe und Wolthaten JEsu Christi / damit er zu einer hertzlichen Gegen-Liebe desto mehr erwecket werde / als wodurch denn alle unreine Liebe verzehret wird; fliehet auch deshalben auf (20) alle Arth und Weyse die Gelegenheit zu sündlichen Reitzungen des Fleisches / und meidet allen unnöthigen Umgang mit Weibs-Per­sonen; obs gleich den besten praetext hätte. Denn er fürchtet sich billig / nicht nur vor der Gefahr der Versuchungen / so an beyden Seiten / auch unvermerckt / leicht- lich entstehen können; sondern auch vor dem Schein des bösen / und dem daraus kommenden Aergerniß und Anstoß; wie auch vor den mancherley Verläumdungen und Lästerungen / so dadurch veranlasset zu werden pflegen. So wird er auch in die­ser Vorsichtigkeit nicht wenig bestärcket / wenn er tieffer erkennen lernet / was der Feind unter der natürlichen verderbten Neigung des einen Geschlechts gegen das andere / und unter der unlautern / öfters auch mit Arg-Listigkeit verknüpften / inten- tion, bey solchem Umgänge / für heimliche Netze dem menschlichen Gemüthe legen könne. Weil er nun der (21) conversation am allermeisten aber aller familiarität mit dem Weibes-Volcke sich entschläget / so wird er auch vor dem Netze der heimlichen Verkoppelung / wie auch vor einer ehrbar scheinenden / jedoch unzeitigen Verlobung / worin sonst die unvorsichtigen zur grossen Hinderung ihrer zeitlichen / auch wol manchmal ewigen Wolfarth / leicht verstricket werden / bewahret. Und indem er sich also vor äusserlicher Gelegenheit des bösen mit allem Ernst hütet / so vermeidet er nicht weniger auch in wahrer Furcht GOttes heimliche Sünde / Unreinigkeit / und Schande / wohl wissend und bedenckend / daß sein Leib sey ein Tempel des heiligen Geistes / der in ihm ist / welchen er hat von GOtt / und daß er nicht sein selbst / sondern