2. Idea Studiosi Theologiae, 1712
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seyn / oder doch dasselbe / so bald es am eiteln kleben will / gleich und ohne Mühe wieder zu ihm zu erheben.
( 26 ) §. 20 .
Dem öffentlichen Gottes-Dienst entziehet er sich nicht; versäumet auch sonst / so viel an ihm ist / keine ordentliche Gelegenheit / wo seine Seele in der Erkäntniß der Wahrheit gefördert / und im guten gestärcket werden kan / wohl wissend / daß er von nöthen habe nicht nur der erkannten Warheit immer aufs neue erinnert / sondern auch aus der ihm anklebenden Trägheit zum Guten stets aufgewecket und ermuntert zu werden. Und / wenn ihm auch einkommet / er könne sich privatim besser erbauen / so erkennet er doch wohl / daß solches zu anderer Zeit ja auch geschehen möge. Durch solche seine Christliche Ordnung verhütet er / daß andere sich nicht auf sein Exempel beruffen können / wenn sie ihr Ohr abwenden / das Wort der Warheit zu hören. Ja er giebt ohne sein (27) wissen und suchen auch damit andern eine kräftige Aufmunterung / daß sie fleißige Hörer des Worts / aber nicht Hörer allein / sondern* (wie sie an ihm sehen) auch treue und beständige Thäter desselben seyn sollen. Er wartet dann auch der öffentlichen Yersamlung recht ab / vom Anfang biß zu Ende / hütet sich vor allen Ausschweifungen des Gemüthes / auf daß sein singen / bethen und hören des Worts als in GOtt / und vor GOtt geschehe / zu seiner Ermunterung und Besserung / und damit niemand an seinem plaudern oder anderm Übeln Bezeugen sich ärgern möge. Wann die öffentliche Kirch-Yersamlungen geendiget sind / hütet er sich sorgfältig / nicht nur mit weltlichen Ergötzlichkeiten nichts zu thun zu haben; sondern auch sich derjenigen / ob wohl Theologischen / Studien zu enthalten / wodurch er trachte gelehrter und nicht eigentlich besser oder frömmer zu werden. Nimt da(28)her zu solcher Zeit anders nichts leichtlich vor / als daß er nebst ernstlichem Gebet einige ascetica und Aufmunterung zur Gottseligkeit und Andacht anhöre oder lese.* Gleichermassen gebrauchet er auch öfters das heilige Abendmahl / aber keinesweges zum Deckel der Boßheit / oder zum Ruhe-Küssen des lauen Wesens / noch aus einem falschen Vertrauen auf das bloße äusserliche Werck / sondern zum Gedächtniß Christi / oder seinen Tod zu verkündigen ** (wie er es selbst geordnet hat) auch sich zur Nachfolge des HErrn / und zur Gemeinschaft seiner Leiden / als seinen Jünger / dadurch zu erwecken.
§. 21 .
Sein gantzer Sinn ist dahin gerichtet / dem Sinne JEsu Christi immer ähnlicher zu werden / und also sich der Gnade / so ihm (29) in CHristo wiederfahren / nicht zu erheben / noch damit zu prangen / welches der Apostel heisset für einen Raub halten* / sondern sie mit wahrer Demüthigung und Verleugnung sein selbst / wie es der Sinn Christi mit sich bringet / zum gemeinen Nutzen anzuwenden / mit denen / so in der Irre gehen / ein hertzinnigliches Mitleiden zu haben / die allgemeine Liebe / Freundlichkeit / Gedult und Langmuth Gottes gegen dieselbe unermüdet auszuüben / niemand zu verlästern; hingegen durch Sanftmuth auch die Widerwärtigen und Feindseligen zu überzeugen / und also sein Licht unter ihnen leuchten zu lassen; Keines weges aber hitzig und feurig gegen den Nächsten zu verfahren (wozu die
S.27 *Jac. 1,22. u.f.
S. 28 *Sihe Speneri letzte Bedencken p. 14. 4 **1. Cor. 11,24.25.26.
S.29 *Phil.2,6.
1 Ph. J. Spener, Letzte Theologische Bedencken, Halle 1711.