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IV. Schriften zum Studium der Theologie

und Thorheit hält / so er auf einige besondere capacität stoltz seyn wolte / da ihm doch diese nur eine desto grössere Pflicht vor GOtt aufleget / und folglich desto schwerere Verantwortung bringet; zumal da es / wie in andern Dingen / also vornemlich in dem Studio Theologico nicht auf die Gaben / sondern auf das Gedeyen J so der HErr zum pflantzen und begiessen giebet /** ankomf 57) met; auch im Reiche Gottes die Ge­lehrtesten und Klügsten nicht allezeit die besten sind / noch die meisten und edelsten Früchte bringen; weil sie selten die wahre Hertzens-Demuth dabey bewahren / und sich so leicht auf ihre Geschicklichkeit und Gaben verlassen; GOtt aber den Hoffärtigen widerstehet und den Demüthigen Gnade giebet.*

Er machet ferner in seinem studiren nicht aus Tag Nacht / noch aus Nacht Tag; sondern theilet seine Zeit klüglich so ein / daß er der Morgen-Stunde recht geniesse zur Arbeit / und doch der nächtlichen Ruhe des Leibes so viel Zeit gönne / daß die Gesundheit dabey bestehen könne.

Er ziehet viuam vocem Praeceptorum 7 seinem eigenem Lesen und meditiren weit vor: Es wird ihm aber auch von treuen Lehrern in Einrichtung seiner Studien gern so viel Zeit gelasf 58,) sen / daß er das angehörete repetiren / und durch meditation recht digeriren könne; allermassen keiner zur rechten Solidität kommen wird / der nicht dem / was er täglich höret / in seiner privat-meditation recht nachdencket / und in seinem Gemüth so lang damit umgehet / bis er es wohl und gründlich gefasset habe.

Auch läst ers nicht genug seyn / daß er die lectiones seiner Praeceptorum mit anhöret / sondern er suchet auch Gelegenheit mit ihnen privatim zu sprechen / und die Zweiffel / so in seinem Gemüthe entstehen / ihnen zu eröffnen / damit er sich nicht immer mehr in seinen scrupeln verwickele; erfahret auch / daß ihm am leich­testen daraus geholfen werde / wenn er zuweilen mit seinen Praeceptoribus darüber conferiret; und daß er hiervon noch über diß den Nutzen habe / daß / so ihm noch hier oder darin etwas zu besserer Einrichtung seiner Studien nöthig ist / er (59) darin bey Gelegenheit von ihnen guten Unterricht empfähet.

§. 28.

Was nun ferner (2) seinen methodum studiorum insonderheit betrifft / oder so fern / als selbiger die Ordnung begreift zu derjenigen gründlichen Wissenschaft zu gelan­gen / die man an einem / der Theologiam studiret hat / zu suchen pfleget; setzet er erstlich die heilige Schrift zu seinem einigen principio und fundament, daraus er alle zu seiner und anderer Seelen wahren Erbauung gehörige Wahrheit zu erlernen habe. Daß er aber die heilige Schrift in solchem hohen Wehrt halte / beweiset er damit in der That / daß er dieselbe anders nicht / als mit grosser Ehrerbietigkeit / nemlich als Gottes Wort / lieset und betrachtet / auch kein Buch fleißiger und ernstlicher als dieselbe traf' 60) ctiret; vor allen Dingen aber GOtt hertzlich bittet / daß er ihm die Augen zu deren rechten Verstand öffnen und ihn in seiner Wahrheit heiligen wolle: wie oben gleicher Weise hiervon angezeiget ist / da vom Christenthum eines Studiosi Theologiae gesprochen worden; wie denn das Studium Theologicum vornemlich Christianismi uberior cultura oder eine mehrere Befleißigung und Ausübung des Christenthums seyn muß; obwol keiner das Christenthum um deswillen nachläßig zu treiben hat / weil er nicht Theologiam studiret.

5.56 **1. Cor.3,7.

5.57 *1. Petr.5,5.

7die lebendige Stimme der Lehrer.