2. Idea Studiosi Theologiae, 1712
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Hierneclist nun höret ein Studiosus Theologiae vom Anfänge seines Studii Theo- logici beständig / (nebst andern Lectionibus seiner Lehrer) lectiones exegeticas, und suchet nicht weniger auch die übrige Lectiones Theologicas dahin anzuwenden / daß sie ihm dienen / die heilige Schrift desto besser zu verstehen / und ihren (61) rechten Gebrauch zu seinem und anderer Menschen Heyl zu lernen und zu üben.
Darum denn auch bey Antretung des Studii Theologici sein erstes Bemühen ist / daß er so viel Griechisch und Hebräisch lernen möge / als zum gründlichen und Gram- maticalischen Verstände der heiligen Schrift erfordert wird. Und hierzu bedienet er sich nicht allein der Anweisung / so ihm in lectionibus Grammaticalibus und Cursoriis Biblicis gegeben wird / sondern tractiret auch privato Studio den griechischen Text des Neuen und den hebräischen des Alten Testaments einmal nach dem andern / und zwar fein ordentlich und mit gehöriger Application des Gemüths / durch und durch: Wozu ihm denn gute lectiones Hermeneuticae und Exegeticae, wie auch lectiones von denen antiquitatibus Sacris* mehr und mehr die Hand bief 62) tcn / als wodurch er zugleich immer fähiger wird / die Gabe / so GOtt andern in Erklärung der heiligen Schrift verliehen / und die Schriften / so zum gemeinen besten ans Licht gegeben sind / bescheidentlich zu gebrauchen und ihm zu Nutz zu machen / sonderlich wenn er nicht mehr Gelegenheit hat / sich vivae manuductionis Praeceptorum zu bedienen.
So höret er auch bald im Anfänge seines Studii Theologici aus dem Munde seiner Praeceptorum die dogmata Theologica , damit er in seinem Gemüth eine hypotyposin oder ein Fürbild der heylsamen Lehre vom Glauben und von der Liebe in Christo JEsu* nicht nur in Catechetischer Kürtze (wie es ihm doch auch von nöthen ist) sondern dergestalt erlange / daß er die gantze catenam der (63) Göttlichen Wahrheit / die Oeconomie und Ordnung des Heyls und analogiam credendorum et agendorum per assiduam auditionem vivae vocis Praeceptorum 13 zur gnüge fasse / und so wol selbst davon aus der heiligen Schrift überzeuget / als auch zubereitet und tüchtig gemacht werde andere dieselbe zu lehren;* dessen sich sonst / als der allerwichtigsten Sache / nicht leicht jemand unterwinden** solle.
Was ihm zu diesem Zweck für ein nützlich und gutes Buch recommendiret wird /
5.61 *S. Goodwini Mos. et Aar. 8 Cunaeum de Rep. Hebr. 9 Buxtorf. Synag. Jud. 10 Camp. Vitringam de Synag. Vet. * 11 Lundii Jüd. Heiligthümer. 12
5.62 *2. Tim. 1/13.
5.63 *2. Tim.2/2. **Jac.3/l.
8 Thomas Goodwin (1587—1642), Professor in Oxford. Seine Schrift Moses et Aaron, seu civües et ecclesiastici ritus, antiquorum Hebraeorum erschien zuerst in englischer Sprache (London 1634 5 ) und wurde 1690 in Utrecht von J. H. Reizius lateinisch herausgegeben.
9 Petrus Cunaeus (1586—1638), seit 1615 Professor der Rechte in Leiden. Seine Schrift De republica Hebraeorum libri III erschien 1617 in Leiden (1696 in Leipzig).
10 Zu Johannes Buxtorf vgl. vorl. Ausg., S. 14. Seine Schrift Synagoga judaica erschien zuerst deutsch 1603 in Basel, lateinisch 1604 in Hanau.
11 Campegius Vitringa (1659—1722), reformierter Theologe, Professor an der Universität Franeker. Sein Werk De synagoga vetere libri tres erschien 1694 in Franeker (Weißenfels 1726 2 ).
12 Johannes Lundius (1638—1686), seit 1664 Diaconus in Tondem. Sein Hauptwerk „Die Alten Jüdischen Heiligtümer / Gottesdienste und Gewohnheiten“ erschien erst nach seinem Tode 1704 in Hamburg.
13 „Übereinstimmung der Glaubens- und Lebensgrundsätze durch das beständige Hören der lebendigen Stimme der Lehrer“.