186

IV. Schriften zum Studium der Theologie

dessen bedienet er sich nicht nur im Anfang / sondern beständig / *** (64) damit er sich nicht / so er sein Gemüth in viele dergleichen Bücher zerstreuete / (65) in denen unterschiedenen concepten und discrepanten methodo verwirre 1(66) sondern viel­mehr den einmal empfangenen typum doctrinae immer tieffer (67) ins Gemüth eindrucke / und auf diese Weyse ein gewisses mit rechtem Fleiß (68) von Anfang tractirtes Buch in seinem gantzen Leben habe / dahin er alles / (69) was er in andern Büchern von den Göttlichen Wahrheiten und Glau(70) bens-Lehren der H. Schrift ausgeführet findet / füglich referiren könne. (71) Womit er denn auch die vielmalige Lesung der Symbolischen(72)cher verknüpffet / auf daß er rechten und gewissen Verstand von dem öffentf 73/liehen Bekänntniß der Lehre derjenigen Kirchen / in deren Gemeinschafft er sich befindet / erlange / und andern davon Grund geben könne; Ob er gleich seinen Glauben nicht auf die auch allerlauterste Glaubens- Bekänntnisse der Vorfahren als auf eine normam fidei gründet / sondern vielmehr dieselbe nach der Richtschnur des Heiligen Göttlichen Worts j dem allein dieser Name einer Norm / Regul und Richtschnur gebühret / sorgfältigst examiniret; noch sein Studium Theologicum dahin richtet / daß (74) er sich nur blinder Weise in den Sätzen der Vorfahren vest einschliesse und verzäune / und sich dergestalt gegen den Vor- wurff der Heterodoxie / in der Welt desto ungehinderter fortzukommen / verwahre / sondern die göttliche Wahrheit aus dem geoffenbareten Worte GOttes immer gründ­licher und besser unter göttlicher Gnaden-Regierung bescheidentlich zu forschen und in dem Lichte GOttes heilsamlich und fruchtbarlich zu erkennen trachtet;* Da denn viele Demüthigung / Gef75/bet / Kampf / und Geduld erfordert wird / daß man die Weisheit GOttes (76) in der Schule des heiligen Geistes mehr und mehr er­lange / und endlich gef 77) schickt werde / nicht nach dem Schein und Namen / son­dern in der Wahrheit (78) und mit Beweisung des Geistes und der Krafft zu seyn ein Leiter der (79) Blinden / und ein Licht derer / die im Finstemiß sind.*

Bey dieser Arbeit / so er auf die gründliche Fassung der Glaubens-Lehre gedachter massen wendet / werden ihm treue Lehrer / da sie ihn durch keine vergebliche Um­schweife zu führen gemeynet sind / schon die Anweisung geben / was und wie viel er nach Erforderung seines Zwecks und übrigen Umstände / von Lectionibus Philoso- f80/phicis zu hören habe;* keines weges zwar als könte er ohne dieselben im Lehr- Amt an sich selbst nicht zu allem guten Wercke / so eigentlich zum nöthigen Unter­richt in der göttlichen Wahrheit gehöret / geschickt seyn / immassen dieses ohne Verkleinerung der vom Apostel** so herrlich bezeugten / und gepriesenen Vollkom­menheit und Nutzbarkeit der heiligen Schrifft nicht vorgegeben werden kan; sondern weil die Unwissenheit in den Philosophischen disciplinen bey gegenwärtigem Zu-

S. 63 *** Steph. Gaussenus de Stud. Theol. ratione p. 13.14. .. , 14

S. 74 * Campeg. Vitringa ad Apoc. 14,4.. . ls

S.79 *Röm.2/19.

S. 80 *S. Spen. Praef. in Tabb. Hodos. Danhaueri. 16 **2. Tim. 3/15.16.17.

14 Stephan Gaussenus, seit 1665 Professor der Theologie in Saumur. Gemeint ist seine Dissertatio de studii Theologici ratione. Sie bildet die erste Abhandlung in der Gesamtausgabe seiner Dissertationes (Utrecht 1678 2 ). Es folgt in der Anmerkung ein lateinisches Zitat mit Übersetzung (Idea, 6373).

15 Zu Vitringa vgl. vorl. Ausg., S. 185. Es folgt in der Anmerkung ein lateinisches Zitat mit Übersetzung (Idea, 7479). Es stammt aus seinem KommentarAvdxQioig Apocalypsios Joannis apostoli, Franeker 1705, S. 868.

16 Vgl. vorl. Ausg., S. 161.