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IV. Schriften zum Studium der Theologie
dessen bedienet er sich nicht nur im Anfang / sondern beständig / *** (64) damit er sich nicht / so er sein Gemüth in viele dergleichen Bücher zerstreuete / (65) in denen unterschiedenen concepten und discrepanten methodo verwirre 1(66) sondern vielmehr den einmal empfangenen typum doctrinae immer tieffer (67) ins Gemüth eindrucke / und auf diese Weyse ein gewisses mit rechtem Fleiß (68) von Anfang tractirtes Buch in seinem gantzen Leben habe / dahin er alles / (69) was er in andern Büchern von den Göttlichen Wahrheiten und Glau(70) bens-Lehren der H. Schrift ausgeführet findet / füglich referiren könne. (71) Womit er denn auch die vielmalige Lesung der Symbolischen Bü(72)cher verknüpffet / auf daß er rechten und gewissen Verstand von dem öffentf 73/liehen Bekänntniß der Lehre derjenigen Kirchen / in deren Gemeinschafft er sich befindet / erlange / und andern davon Grund geben könne; Ob er gleich seinen Glauben nicht auf die auch allerlauterste Glaubens- Bekänntnisse der Vorfahren als auf eine normam fidei gründet / sondern vielmehr dieselbe nach der Richtschnur des Heiligen Göttlichen Worts j dem allein dieser Name einer Norm / Regul und Richtschnur gebühret / sorgfältigst examiniret; noch sein Studium Theologicum dahin richtet / daß (74) er sich nur blinder Weise in den Sätzen der Vorfahren vest einschliesse und verzäune / und sich dergestalt gegen den Vor- wurff der Heterodoxie / in der Welt desto ungehinderter fortzukommen / verwahre / sondern die göttliche Wahrheit aus dem geoffenbareten Worte GOttes immer gründlicher und besser unter göttlicher Gnaden-Regierung bescheidentlich zu forschen und in dem Lichte GOttes heilsamlich und fruchtbarlich zu erkennen trachtet;* Da denn viele Demüthigung / Gef75/bet / Kampf / und Geduld erfordert wird / daß man die Weisheit GOttes (76) in der Schule des heiligen Geistes mehr und mehr erlange / und endlich gef 77) schickt werde / nicht nach dem Schein und Namen / sondern in der Wahrheit (78) und mit Beweisung des Geistes und der Krafft zu seyn ein Leiter der (79) Blinden / und ein Licht derer / die im Finstemiß sind.*
Bey dieser Arbeit / so er auf die gründliche Fassung der Glaubens-Lehre gedachter massen wendet / werden ihm treue Lehrer / da sie ihn durch keine vergebliche Umschweife zu führen gemeynet sind / schon die Anweisung geben / was und wie viel er nach Erforderung seines Zwecks und übrigen Umstände / von Lectionibus Philoso- f80/phicis zu hören habe;* keines weges zwar als könte er ohne dieselben im Lehr- Amt an sich selbst nicht zu allem guten Wercke / so eigentlich zum nöthigen Unterricht in der göttlichen Wahrheit gehöret / geschickt seyn / immassen dieses ohne Verkleinerung der vom Apostel** so herrlich bezeugten / und gepriesenen Vollkommenheit und Nutzbarkeit der heiligen Schrifft nicht vorgegeben werden kan; sondern weil die Unwissenheit in den Philosophischen disciplinen bey gegenwärtigem Zu-
S. 63 *** Steph. Gaussenus de Stud. Theol. ratione p. 13.14. .. , 14
S. 74 * Campeg. Vitringa ad Apoc. 14,4.. . ls
S.79 *Röm.2/19.
S. 80 *S. Spen. Praef. in Tabb. Hodos. Danhaueri. 16 **2. Tim. 3/15.16.17.
14 Stephan Gaussenus, seit 1665 Professor der Theologie in Saumur. Gemeint ist seine Dissertatio de studii Theologici ratione. Sie bildet die erste Abhandlung in der Gesamtausgabe seiner Dissertationes (Utrecht 1678 2 ). — Es folgt in der Anmerkung ein lateinisches Zitat mit Übersetzung (Idea, 63—73).
15 Zu Vitringa vgl. vorl. Ausg., S. 185. — Es folgt in der Anmerkung ein lateinisches Zitat mit Übersetzung (Idea, 74—79). Es stammt aus seinem Kommentar ’AvdxQioig Apocalypsios Joannis apostoli, Franeker 1705, S. 868.
16 Vgl. vorl. Ausg., S. 161.