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188 IV. Schriften zum Studium der Theologie
Worts der Wahrheit* und zu derjenigen Weisheit / daß Christus in göttlicher Ordnung und nach dem Fürbilde / so er selbst und seine Apostel uns hievon gelassen / verkündiget werde / daß ihm / sage ich /hierinn von denen / die darinn mehr geübet und erfahren sind / noch eine besondere gar nützliche Anweisung möge gegeben werden. Die er denn auch danckbarlich von ihnen annimmet; nicht weniger darnach / wenn er selbst / zu Erweckung der ihm beywohnenden Gabe mehrmals prediget / ihme die Censuren treuer und mit Weisheit begabter Lehrer ausbittet / seine Fehler / so ihm angezeiget werden / genau bemercket / und sie zu bessern beflissen ist; biß er also / nach göttlicher Handleitung / auch den öffentlichen Vortrag in heiliger Furcht / Demuth / reiflicher Meditation und (85) sonderlich unter hertzlichem und brünstigen* Gebet fortsetzend (wie ja ei(86)ne Sache von so grosser Wichtigkeit / und davon so schwere Verantwortung gefordert wird / solches erfordert) und mit der Krafft GOttes mehr und mehr gestärcket / in der wahren Freudigkeit zu reden / so der Geist des Glaubens* darreichet / wachse und zunehme / und das Werck eines Evangelischen Predigers recht zu thun** und auszurichten tüchtig (nicht so wol von ihm selbst / der vielmehr seine Untüchtigkeit*** immer mehr erkennen muß / als von andern) erkant werde.
Nun wäre noch zu berühren / welcher gestalt die Bedienungen / dazu die / so dem Studio Theologiae obgelegen / vor andern pflegen gezogen zu werden / gar sehr unterschieden sind / und wie um deswillen nicht eben bey ( 87 ) allen einerley capacität und Geschicklichkeit erfordert werde / so daß man auch die / so kaum einer mittelmäßigen Wissenschafft fähig sind / dennoch in der Kirche GOttes in irgend einiger diaconia oder Bedienung / (dahin auch die Schulmeister- und Küster-Stellen in Städten und Dörflern gehören) nützlich gebrauchen möge / wenn sie nur vor GOtt rechtschaffen und im geringsten treu* sind; daher denn auch methodus Studiorum nicht bey allen einerley seyn darf / noch bey dem Studio Theologico es auf einen accuraten selectum ingeniorum ankommet / wie etwa bey denen Wissenschafften die ohn ein gutes ingenium nicht können begriffen werden: Vielmehr kommet es bey Besetzung der Aemter darauf an / daß man einen rechten selectum subjectorum halte / und sehe / was ein jedes Amt für qualitäten erfordere / und es dann ( 88 ) keinem anvertraue / als einem solchen der dazu geschickt sey: welche Erinnerung dennoch ungeschickte Studiosi, die in der That besser gethan / daß sie ein ander vitae genus erwehlet hätten / zu ihrer Beschönung ohne Recht und Fug gebrauchen würden.
Desgleichen wäre zu gedencken / welcher gestalt es (in Betrachtung / daß ein Mensch / ob er gleich gute Fähigkeit hat / dennoch nicht alles praestiren kan) gut und nützlich sey / daß nach dem Unterscheid der inclination und capacität / wie auch der Gelegenheit und der übrigen besondern Umstände eines jeden / einer sich auf dieses der andere auf jenes Stück der Theologie selbst / oder auf etwas / so dazu gehörig ist / vor andern und als ex professo applicire / z. E. daß einer Exegesin, ein ander Historiam Ecclesiasticam, Controversias &c. gründlicher tractire; so dann auch / daß einige diese / andere jene admini/ 89 ) cula, z. E. linguas orientales,
S. 84 *2. Tim. 2/15.
S.85 *Steph. Gaussenus de Ratione Concionandip. 165. . ,. 22
S. 86 *2. Cor.4/13. **2.Tim.4/5. ***2. Cor.2/16.
S. 87 *Luc. 16/10. c. 19/17.
22 Zu Gaussenus vgl. vorl. Ausg., S. 186. Gemeint ist seineDissertatio de ratione concionandi, die die dritte Abhandlung in der Gesamtausgabe seiner Dissertationes bildet. — Es folgt in der Anmerkung ein lateinisches Zitat mit Übersetzung (Idea, 85 f.).