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IV. Schriften zum Studium der Theologie
gefunden werfPSJden: weil diese Stücke bey einer jeden Information pflegen erfordert zu werden. Der mehr Fähigkeit hat / hätte sich zu befleißigen / daß er auch zu mehrern Stücken der Information der Jugend geschickt seyn möchte. Keiner aber solte darinn jemals / so viel an ihm ist / und so bald er dazu tauget / ohne alle exercitation seyn. Der vornehmste Zweck muß iedennoch nicht auf den eigenen davon zu hoflenden Nutzen gehen / sondern ein treuer Gottliebender Informator suchet vor allen Dingen durch seine Anweisung und hertzliches Gebet die Hertzen seiner Discipeln zu wahrer Erkentniß Christi anzuleiten; hiernechst beweiset er alle Treue / sie auch in denen zum gemeinen Leben nöthigen Stücken nach ihrer Fähigkeit gründlich zu unterrichteten: Wobey ihm aber keinesweges zu verargen / so er ihm so viel Zeit vorbehält / oder bey den Eltern seiner anvertrauten Kinder / wenn es nöthig ist / ausbittet / daß er täglich was er selbst mit Mühe gelernet wiederholen / und sich immer besser zu weiterem und wichtigem Gebrauch der Kirchen zubereiten könne. Christliche Eltern werden ihm darin gerne / so viel es möglich ist / fugen. Er aber wird sich desto mehr hüten / solches nicht zu der untergebenen Kinder Schaden zu mißbrauchen.
§. 31.
Er gehet nicht stoltz und galant in Kleidern* aber auch nicht säuisch / lumpicht und zerrissen / sondern reinlich / damit er niemand ohne Noth anstößig und (95) beschwerlich sey / noch durch unreinliche Lebens-Art sein Gemüth selbst in (96) Unordnung gerathen lasse. Darum bewahret er die Reinlichkeit im öus(97) serlichen / ob er gleich darinn das Christenthum nicht setzet / hütet sich aber (98) dabey / daß er sein Gemüth nicht verunruhige / wenn er dieselbe nicht allezeit nach Wunsch haben kan; noch weniger / daß er mit andern einen Streit darüber anfange / wenn sie weniger / als sie solten / der äusserlichen Reinlichkeit sich befleißigen.
(99) §. 32.
Er meidet alles affectirte Wesen in Geberden / Worten / und Wercken; ist vielmehr schlecht und recht / und gebrauchet dabey doch gegen den Nächsten / nach Unterschied des äusserlichen Standes / alle Bescheidenheit.
§• 33.
Alle seine Dinge suchet er in guter Ordnung zu halten / und ein iedes fein zur rechten Zeit zu thun; so er was versprochen hat / suchet er es nach aller Möglichkeit / im geringen so wol / als im großen / punctuel zu leisten: wovon auch oben / da vom Christenthum gehandelt worden / gesprochen ist. Um desto besser aber in allen Stücken in guter Ordnung zu bleiben / hütet er sich vor aller noh)7iQa(100)ypoavvrj Und wiewol er liebreich / behülflich und dienstfertig ist / nimmt er doch dabey seiner wohl wahr / daß er nicht unter dem Schein der Dienstfertigkeit seinen Beruf versäume / und sich aus falscher Liebe Geschäfte aufbürden lasse / so seines Berufs nicht sind / ihn aber an seinem Beruf mercklich hindern. Findet er dieses / so ists ihm Ursache genug / dergleichen bescheidentlich zu decliniren: So er aber etwas auf sich genommen / z. E.
S.94 *Steph. Gaussenus de Stud. Theol. ratione p. 3. & 4. . ,. 25
25 Zu Gaussenus vgl. vorl. Ausg., S. 186. — Es folgt in der Anmerkung ein lateinisches Zitat mit Übersetzung (Idea, 94—98).
26 „Vielgeschäftigkeit“.