2. Idea Studiosi Theologiae, 1712

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aber mit Unverstand /* und / da sie sich vor der falschen Klugheit / die das Creutz Christi fliehet / in guter Meynung hüten wollen / zugleich die wahre von Christo anbefohlne Klugheit wegwerffen / und für fremden und ungemäßigten Feuer / den sanfften und stillen Geist des Lammes GOttes nicht wollen kennen lernen / hiedurch aber dem Welt- und Pharisäischen Geist / ob der gleich vor GOtt weit verwerfflicher auch bey seinem besten Vornehmen ist / ins Urtheil fallen und zur Ver('J22J Schmä­hung alles Guten Gelegenheit geben. Wenn er denn solches alles siehet / so begehret er ihm nicht grosse Dinge (gleichwie GOtt selbst den Baruch dessen bey dem Jeremia erinnert*) / sondern will gern zufrieden seyn / wenn er nur seine eigene Seele nicht verlieren / sondern sie als zur Beute davon bringen möchte. Ist deswegen wacker allezeit und betet / damit er würdig werden möge / den Gerichten GOttes und allen Versuchungen zu entfliehen /** und zu einem solchen Zustand zu gelangen / da er auch mitten unter den göttlichen Gerichten den wahren Frieden in seiner Seele und eine kindliche Freudigkeit zu GOtt haben könne / folglich nie unbereit / noch in denen Dingen / so zu diesem Leben gehören / so verwickelt erfunden werde / daß er nicht mit frölichem Hertzen alle Augenblick von der (123) Welt scheiden könte. Er wird aber hierbey wohl innen / was für ein Kampf dazu gehöre / in jetztgedachten Zustand zu kommen / und darin beständig zu beharren. Darum / ob er wol sein Leben zum Dienst GOttes und des Nechsten von Hertzen consecriret und gewidmet / und / wenns möglich wäre / gern alle Menschen selig machete / so fasset er sich doch so in seinem Gemüthe durch die ihm beywohnende Gnade des H. Geistes / und richtet zugleich sein äusserliches unter göttlicher Führung weislich also ein / daß er / ob wol nicht vor den Augen der Menschen / doch vor den Augen GOttes offenbar ist / als ein solcher / der sonst nichts in der Welt suchet / als nur allein / daß er seine Seele errette / damit der Name GOttes nicht an ihm verunehret / sondern verherrlichet werde.

§. 43 .

Gleichwie er nun / bey solcher Fassung des Ge(M24)müths / in der wahren Weis­heit täglich wächset und zunimmet: Also lernet er auch die Stratagemata Satanae, oder / die manichfältige List und Tücke des Satans / und derer / die seines Theils sind / immer besser erkennen; und siehet / wie der Satan dadurch alles Gute bey ihm und bey andern gäntzlich zu verhindern / oder / wenn ihm das nicht gelinget / solches doch zu verdunckeln / zu beschmitzen und zu verderben suchet. Diese Erkäntniß dienet ihm dazu / daß er sich zu hüten wisse / wenn sich des Satans Diener / nemlich falsche Apostel und triegliche Arbeiter / zu Christus Aposteln und Predigern der Gerech­tigkeit; ja wenn er selbst / der Satan / sich zum Engel des Lichts verstellen* / und ihn unter einem guten Schein von Gottes Wort und der lautern Nachfolge Christi / sei- (125)nes HErrn / abführen / auch durch allerhand Schein-Gründe seine Vernunfft drehen / und zu seinem Willen mißbrauchen wolte. Nicht weniger ist ihm diese Erkäntniß dazu nützlich / daß er im Geist der Wahrheit andere für allen falschen Schein / und für den Betrug der falschen Klugheit wisse so zu warnen / daß die Albern witzig und die Jünglinge vemünfftig und vorsichtig werden*

§. 44 .

Da lehret ihn denn die tägliche Erfahrung / daß des Satans Haupt-Kunst und ältestes Stratagema ist / lügen j verläumden / schmähen / lästern / und dergestalt Haß /

S.121 *Rom.lO/2.

S. 122 *Jer.45/5. **Luc. 21/36.

S. 124 *2. Cor. 11/13.14.15.

S. 125 *Spr. Sal.1/4.