2. Idea Studiosi Theologiae, 1712
201
ihn durch ausserordentliche Dinge von dem guten und richtigen Wege abzubringen / und ihm in seinem Christenthum und in dem Dienst / so er dermaleins der Kirchen leisten soll / ein Bein unterzuschlagen; so bittet er GOtt ohn Unterlaß / daß er ihm ein recht demüthig Hertz verleihen / und ihn vor allen Versuchungen gnädiglich bewahren / auch die wahre Weisheit / alles wohl zu unterscheiden / darreichen wolle; er hält sich an das Wort GOttes / so in der H. Schrillt verfasset ist / läst es nicht von seinem Munde kommen / sondern betrachtet es Tag und Nacht / auf daß er halte und thue allerding nach dem / das drinnen geschrieben stehet.* Er hütet sich / daß er keinen Eckel dran kriege / und wird auch dagegen eben dadurch / daß er stets damit umgehet / am besten gewaffnet. Denn je mehr ihm in der Schrifft die Weisheit GOttes eröffnet wird / je unschätzbarer wird ihm dieselbe. Von dieser Richtschnur läst er sich nichts abtreiben. Dabey hütet er sich vor der schädlichen Seuche der Athenien- sischen Neugierigkeit /** und der unzei('J43 / )tigen curiosität und Vorwitzes / wodurch manche verleitet und in die Irre geführet werden. Er ist nicht leichtgläubig; und trauet nicht / folget auch nicht einem jeglichen Geiste;* er jaget aber nach der Gerechtigkeit / der Gottseligkeit / dem Glauben / der Liebe / der Gedult / der Sanfftmuth; trachtet / daß er kämpfe den guten Kampf des Glaubens / und ergreijfe das ewige Leben.** In dem allen gehorchet er seinen Lehrern / und folget ihnen.*** Denn er erkennet / daß dieses die Dinge sind / in welchen sein Gemüth immer beschäfftiget seyn solle / so er anders will erfunden werden ein geheiliget Gefäß / zur Ehre GOttes / JEsu Christo / dem Haus-HErrn / brauchbar / und zu allem guten Werck bereitet.****
Ob auch gleich der Satan noch viele andere Stratagemata bey ihm anzubringen trachten wird / z. E. ihn auf diese und jene Neben-Absichten zu verleiten / daß er nicht mehr die Ehre GOttes allein und lauterlich seinen Zweck seyn lasse / dahin er alles richte; item: ihn unvermerckt unter mancherley scheinbaren (144) praetexten in irdische Sorgen; in Geschaffte / die ausser seinem Beruf sind; in solchen Umgang und Freundschafft mit weltlich gesinneten Leuten / davon seine Seele Schaden hat; in studia, die von seinem Zweck allzuweit entfernet sind / etc. zu verwickeln; ja ob schon der Feind es immer mit einer neuen List versuchen wird / wenn ihm die eine nicht angegangen; so wird es ihm doch in derer keinem nach seinem Wunsch bey einem Studioso Theologiae gelingen / so er auf dem angezeigten sichern Wege bleibet / und denselben nicht verlasset.
Heiliger und ewiger GOTT! Siehe den sehr elenden und verderbten Zustand der Kirchen mit erbarmenden und gnädigen Augen an. Mache dich auf / schaffe eine Hülffe / und steure dem Verderben. Segne alle Arbeit deiner Knechte / so dahin zielet. Erhöre das Gebet aller Gläubigen / so dahin gerichtet ist. Laß auch diese Schrifft dazu gesegnet seyn / daß sie bey einem jeden / der sie lieset / durch die Krafft deines Segens eine reiche Frucht schaffe. Gib deinen guten Geist denen / die zum Lehr-Amt bereitet werden / daß er sie lehre thun nach deinem Wohlgefallen / und sie führe auf ebener Bahn. Amen!
S. 142* Jos. 1/8. 2. Tim.3/15.16.17. 2. Pet.1/19.20.21. **Ap. Gesch. 17/21. S.143 *1. Joh.4/1. **1. Tim.6/12.13. ***Ebr. 13/17. ****2. Tim.2/12.