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V. Schriften zur Hermeneutik
Christus ist ein Blut-Bräutigam / wie Zipora im Fürbild Mosen nennete / 2. B. Mos. IV,25. Es ist lauter Einbildung daß du dich seine Braut nennen wüst / wenn du ihm nicht innerlich und äusserlich von Hertzen begehrest ähnlich zu seyn. Und wie kanst du ihm ähnlich seyn ohne Creutz und Leiden? Siehe alle Verheissungen Gottes an in der gantzen heiligen Schrillt; Sind sie nicht alle in dem Geheimniß des Creutzes eingewickelt? Wie solte denn diese allerhöchste und edelste Stuffe der Gnaden-Beloh- nung Gottes / eine Braut Christi zu werden ohne Creutz seyn können? Der Braut gehören die Mahl/270/Zeichen ihres Bräutigams: Das ist ihr köstlicher Braut- Schmuck. Je ähnlicher dem Bräutigam im Leiden: Je ähnlicher auch in der Herrlichkeit. Auff dem Creutz-Wege wird sich Christus zu dir gesellen / mit dir wandeln / und dir die Heil. Schrifft öffnen / daß du mit den Jüngern wirst bekennen müssen: Brannte nicht unser Hertz in uns / Luc. XXIV,32. Hier wirst du nicht allein das Lied Mosis / 16 sondern auch das Hohe-Lied deines Salomonis singen. Hier werden deine Steine wie ein Schmuck geleget / und dein Grund wird mit Sapphiren geleget / und deine Fenster aus Crystallen gemachet / und deine Thore von Rubinen / und alle deine Gräntze von erwehle- ten Steinen / Esa. LIV,11.12. Denn das neue Jerusalem wird in dir gebauet / und der Nähme der Stadt Gottes wird auff dich geschrieben / Offenb. 111,12. Darum sage ich dir abermahls / wilst du Christum in der Schrifft also finden / daß du deine Seele damit sättigest j ja daß deine Seele in Wollust fett werde /Es. LV,2. so liebe / ich sage / liebe das Creutz / und verleugne die Freude dieser Welt / so wirst du ihn noch viel herrlicher und besser finden / als es dir mit Worten verheissen werden kan.
16 Vgl. 2. Mose 15,1 ff.