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V. Schriften zur Hermeneutik
intention insgemein / als die Worte selbst bald so bald anderst interpretiret / dann aber auch schrifftlich; wie mir denn zu erst zu handen kommen eine DISSERTATIO PHILOLOGICA, welche zu Wittenberg A. 1695. den 10. April, gehalten worden von M. JOHANNE HENRICO Knoblach / darinnen dieser die von mir im Monat Januario herausgegebene Observationes Biblicas zu examiniren angefangen. 7 Bald darauf! habe auch in dem Leipziger Catalogo nachfolgende Titul gefunden: D. Joh. Friderich Meyers Anweisung (431) zum recht-Lutherischen Gebrauch des Heil. Psalterbuchs samt einer Vorrede an alle Studiosos Theologiae sich von M. August. Hermann. Francken Observationibus Biblicis, worinnen er das Neue Testament Lutheri verdächtig gemacht / nicht verleiten zu lassen. Hamburg bey Benjamin Schillern in 4. 8 it. M. JOH. HENRICI WOLFFII, Gymnasii Geraviensis Conrectoris Vertheidigung der Teutschen Bibel des Herrn Lutheri wieder M. A. H. Franckens monatlich wider Lutherum herauszugeben angefangene Lästerungen. Gera und Leipzig / in 12. bey den Großischen. 9 Nun war damahls der Monat Aprilis bereits unter der Presse / und war mein Fürnehmen eine bescheidene (432) Apologiam gegen die so wohl mündliche als schrifftliche Anschuldigungen und vermeinte Wiederlegungen zu Anfang des Monats May zu ediren / ob mir wohl von denen in Catalogo benamten beyden Schrifften noch keine zu Handen kommen / und ich also solche Vertheidigung guten theils in general terminis hätte abfassen müssen. Doch wurde auch solches mein Fürnehmen anfänglich durch die obliegende Amts-Arbeit an dem Heil. Pfingst Feste / und darauf! auch durch eine 14tägige Abwesenheit verhindert; Mitlerweile ich zwar zu Gotha Herrn D. Meyers berührte Schrifft Zusehen bekommen / meine Verantwortung aber und die continuation der Observationum Biblicarum bis zur Rückkunfft aussetzen müssen / nach (433) welcher ich aber so viele Arbeit vor mir gefunden / daß es sich bis ietzo nemlich mitten in den Monat Junium verschoben; Wiewohl mirs lieb ist / indessen auch die andere Wittenbergische Dissertation, so den fünfften Junii gehalten worden / empfangen zu haben. 10 Des Herrn Wolffii Schrifft ist noch zur Zeit nicht heraus kommen. Nun wolte ich wünschen / so es GOTT gefiele / daß es meine Zeit litte / außer der Beantwortung solches öffentlichen Widerspruchs die Observationes Biblicas auf die angefangene Art und Weise monatlich fortzusetzen; Weil aber dieses nicht ohne Hindansetzung anderer nöthiger Dinge geschehen könte / werde ich zwar meine angefangene monatliche Arbeit nicht unterbrechen/ doch aber an statt (434) des gewöhnlichen methodi meine Verantwortung nach und nach ans Licht geben / und wenn ich damit fertig bin / mit denen Observationibus Biblicis auf! die
7 Johann Heinrich Knoblach (1673—1699). Die Dissertation konnte nicht nachgewiesen werden.
8 Johann Friedrich Mayer (1650—1712), seit 1686 Pfarrer in Hamburg, seit 1701 Generalsuperintendent von Pommern und Professor der Theologie in Greifswald, einer der schärfsten Gegner des Pietismus. Der Titel der Schrift lautet: Anweisung Zum Recht Lutherischen Gebrauch Des Heiligen Psalter-Buchs / Sammt einer Vorrede An alle Studiosos Theologiae Ihro Königl. Majestät von Schweden Landes-Kinder in Teutschland Sich von Herrn M. Aug. Hermann Franckens P.P. und Pastoris Glauch. Observationibus Biblicis nicht verleiten zu lassen, Hamburg 1695.
9 Johann Heinrich Wolff (1657—1738), Konrektor am Gymnasium zu Gera. Die Schrift konnte nicht nachgewiesen werden. Francke vermutete, daß Johann Benedikt Carpzov hinter diesem Angriff stand (vgl. Kramer, Beiträge, S. 333).
10 Die Dissertation konnte nicht nachgewiesen werden. Wahrscheinlich stammt sie auch von Knoblach, vgl. seine abschließende Schrift „Gründlicher Beweiß / Daß ihm bißher von Seiten Hn. M. August Herrmann Franckens ...auf! seine Diputationes nichts gründliches geantwortet / sondern eitel nichtige und vergebliche Außflüchte gesuchet worden“, Wittenberg 1696.