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V. Schriften zur Hermeneutik
das Hertz. Womit wollen sie denn selbst beweisen daß sie reine Lehrer sind / wenn man auch also mit ihnen handeln / und allezeit glauben wolte / daß sie es in dem Her/449Jtzen anders meineten / als sie es mit dem Munde sageten? Im übrigen achte ich vor unnöhtig / alle die jenigen harten Reden / welche so wol in Herrn D. Meyers Schrifft als in denen Wittebergischen disputationen disfals wider mich geführet sind / nach einander hieher zu setzen / sondern meine dieselbigen durch diese meine freymüthige Erklärung abgelehnet zu haben und wünsche ihnen von Hertzen / daß sie erkennen mögen / wie sie darinn so wohl insgemein wider die Warheit und Liebe gesündiget / als auch insonderheit viele Menschen geärgert / und in die Gemeinschafft solcher ihrer Schmähungs-Sünde gezogen / welche sich auff eines Mannes äußerliche authorität vor der Welt leichtlich verlassen / und lästern / davon sie doch keinen Grund haben. (450) Solte nicht jemand gedencken / wenn er in Herrn D. Meyers Schrifft §. 17. findet / daß er mir eine leuffelhaffte Art der Verachtung imputire / unter andern / daß ich Gebete zur Schande Lutheri verfertiget / mit der Zunge dem Vater (Luthero) fluche / und aus solchen fluchen Gebete mache / u. für Gott damit trete / auch ferner den Spruch Sirachs appliciret: Ach wenn einer betet und fluchet / wie sol den der HErr erhören? 16 So nun jemand meine monatliche Observationes nicht gelesen / solte der nicht / sage ich / gedencken / ich müsse sehr übel und greulich von Luthero in denen Observationibus Biblicis gesprochen / ja gar ihm gefluchet haben? Nun zeige mir doch Herr D. Meyer ein einiges unbescheidenes Wörtlein / wel/45IJ ches ich wider Lutherum geredet / so wil ich die Hand auff meinen Mund legen / und von Hertzen sagen: Ich habe unrecht gethan. Denn solches habe ich niemahls in meinen Sinn genommen. Wie wil er denn solches gegen GOtt dermahleins verantworten / daß er vielen Leuten / welche die Observationes nicht gelesen / und dieses in seiner Schrifft finden / eine solche Bitterkeit und Abscheu in ihrem Hertzen gegen mich erwecket / daß sie würcklich meinen / ich müste ja Luthero gefluchet / und aus solchem Fluche Gebete gemachet haben / sonst würde mir ja solches nimmer so frey hin inputiret seyn. Es wird sich dieses mit der Rhetorica nicht entschuldigen lassen / sondern Gott wird Rechnung davon fodern. So wäre es auch gantz ungereimt wenn man (452) sagen wolte; ob ich gleich nicht würcklich Luthero gefluchet hätte / so wäre es doch eben so viel / indem ich etwas in seiner Version erinnert. Ich werde in den folgenden Zeigen / wie auch die Collegen Lutheri selbst / und fast unzehliche Theologi nach ihnen / eben dasselbige gethan haben / haben denn dieselbe Luthero auch gefluchet / den sie doch so hertzlich liebeten? Auch wird gezeiget werden / daß von Lehrern und Predigern dieses gewöhnlich geschehe / daß sie zeigen / es stehe im Grund-Texte anders als in der Teutschen Übersetzung Lutheri / und solche Predigten lassen sie hernachmals drucken / fluchen sie denn damit dem seel. Luthero? Auch wird angeführet werden / daß zu Wittenb. so wol in öffentlichen Disputationibus als Collegiis (453) eben dieses geschiehet / fluchen sie denn zu Wittenberg auch ihrem Vater / da Cathedra Lutheri ist / und sind sie auch iniqui und impii in pios Lutheri manes, unbillig und gottloß gegen den seel. Lutherum / wie man mich in der Witten- bergischen dissertation beschuldigen wil? Doch wird ein jegliches an seinem Orte ausgeführet werden. Ein jeder kan leichtlich sehen / daß es eine blosse Zunöhtigung sey / und man die Unwissenden ohne allen Grund bereden wolle / daß ich ein gottloser und böser Mensch / der weder in Lehre noch Leben mit Luthero einstimmig sey. Ich aber wolte von Hertzen wünschen / daß Lutherus auch noch itzo lebete / und bin gewiß / daß ich mit ihm keinen Streit sondern ihn zum Vater und Fürgänger in alle
16 Jes. Sir. 34,29.