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V. Schriften zur Hermeneutik

wir weder hören noch dulden können / daß etwas gebessert werde? das Gegentheil bezeuget die That selbst. Darauf führet er an / daß bereits a. 1546. von denen editori- bus 148. Oerter geändert worden seyn / unerachtet Lutherus selbst a. 1545. seine Übersetzung revidiret. Er nennet dieses eine intem^SOjpestivam modestiam oder unzeitige Bescheidenheit / da man sieb ein Gewissen machet etwas in der Übersetzung Lutberi zu verbessern / führet auch ferner zum Exempel an / Valentinum Schindle- rum, 23 D. Jobannem Tarnovium, 24 D. Johannem Gerhardum, 25 D. Franzium 26 und für allen D. Waltherum, 27 welche alle das ihrige bey der Version Lutheri hin und wieder erinnert; Er nennet solche Leute / die keine Verbesserung in der Version Lutheri dulden wollen / morosos, mürrische oder störrige / und setzet ihnen entgegen einige Paragrapbos aus der Officinä Biblicä D. Waltheri, welcher die Frage: Ob in der Dolmetschung Lutheri kein Fehl sey / oder nichts gebessert werden könne? gründlich beantwortet / und Lutherum (481) selbst zum Zeugnisse nimmet / der ausdrücklich saget:Ob man mich müste angreiffen und tadeln / der ich zuweilen in der Dolmetschung gefehlet hätte / das wil ich zu Danck annehmen / denn wie offt hat Hieronymus ge- fehlet? ,' 28 Ja er meldet /Lutherus habe selbst kurtz vor seinem Ende gesagt:NB. Er wolle die Bibel noch einmahl durchgehen / und sie vollkommener heraus geben ; 29 Führet auch an den Matthesium, als welcher ausdrücklich meldet / daß NB. die Collegen Lutheri nach seinem Tode ihnen gar kein Gewissen gemachet / ein (482) und anders in seiner Dolmetschung zu ändern und zu verbessern; 30 Ja er selbst Waltherus führet 24. Oerter an / und beweiset / daß sie nicht recht übersetzet seyn. 31 Es bezeuget ferner in erwehnten Vindiciis D. Raithius p. 628. daß Lutherus selbst / da ihm von einigen / als dem Georgio Wicelio 32 und dem Seb. Munstero 33 gezeiget worden / daß

23 Valentin Schindler (f 1604), Professor der orientalischen Sprachen in Wittenberg und Helmstedt. Raith, a.a.O., S. 622 bezieht sich auf sein Lexicon pentaglottum, Hanau 1612.

21 Johann Tarnow (15861629), seit 1614 Professor der Theologie in Rostock. Raith, a. a. O.,

S.622 erwähnt seine Exercitationes biblicae, Rostock 1619., und sein Commentarium in XII prophetas minores, Rostock 1636.

25 Johann Gerhard (15821637), seit 1616 Professor der Theologie in Jena. Raith, a.a.O.,

5.622 beruft sich auf sein Commentarium super 1. et 2. epistolam Petri, Jena 1641.

26 Vgl. vorl. Ausg., S. 20.

27 Michael Walther (15931662), seit 1626 Generalsuperintendent von Ostfriesland, seit 1642 Generalsuperintendent in Celle. Sein Werk Officinä Biblica de Sacrosancta Scriptura er­schien 1636 in Leipzig (Wittenberg 1668 2 ). Die folgenden Ausführungen hat Raith, a.a.O.,

5.623 wörtlich aus der 2. Auflage übernommen.

28 Hieronymus (etwa 345420); seine bedeutendste Leistung war die später als Vulgata bezeichnete lateinische Bibelausgabe. Zu Luthers Urteil vgl. seine SchriftVom Schern Ham- phoras und vom Geschlecht Christi, 1543 (WA 53, 647).

29 Vgl. Walther, a.a.O., S.398.

30 Johann Mathesius (15041565), namhafter Luther- und Melanchthonschüler. Er stellte Luthers Leben in 17 Predigten dar und schuf damit die erste protestantische Luther­biographie. Der Hinweis findet sich in der 13. Predigt (vgl. Historien / von..: Martin Luthers / Anfang / Lehre / Leben / standhafft bekenntnuß seines Glaubens / und sterben, Nürnberg 1583, fol. 143b f.).

31 Walther, a.a.O., S.399ff.

32 Georg Witzei (15011573) nahm an den Bauernaufständen teil, studierte in Wittenberg und war danach Pfarrer in Niemeck bei Wittenberg. Später konvertierte er und bemühte sich um einen Ausgleich zwischen Rom und Wittenberg. Gemeint sind wahrscheinlich seine,, Annota- tiones, das sind kurtze verzeichnus / inn die Wittenbergischen newen Dolmetschung der gant- zen Heiligen Bibel, 2 Teile, Eisleben 1536.

33 Sebastian Münster (14891552), Professor der hebräischen Sprache in Heidelberg und Basel. Von ihm erschien 1535 die hebräische Bibel mit lateinischer Übersetzung.