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V. Schriften zur Hermeneutik

und gnugsamen Grund dazu hat / auch in denen Observationibus Biblicis niemahls mit Willen versäumet worden ist; sondern es ist die Frage von der Sache selbst / ob es recht oder nicht recht übersetzet sey in diesen oder jenem Orte? Und solte man da aufs gef5i8,) naueste untersuchen / wie viel Stellen schon würcklich in der Version Lutheri geändert und gebessert seyn / nach dem Tode Lutheri bis hieher / welche nun in der teutschen Bibel gelesen werden / zum wenigsten in einigen Exemplarien / als ob sie von Luthero selbst also gesetzet wären / so würde man deren eine grössere Anzahl finden / als man vielleicht gedencket.

Hiemit breche ich nun diese Monatliche Arbeit ab / und verspreche das übrige mit göttlicher Hülffe auffs allererste hierauff folgen zu lassen. Denn in Ansehung derer gifftigen Yerläumdungen / welche widrig gesinnete Leute / und / wie sie Paulus mit dem rechten Nahmen nennet / die Feinde des Creutzes Christi / 42 wider alles was ich Gott zu Ehren und meinem Nechsten zu Nutz fürnehme / auszustossen kein Beden- cken tragen / habe ich zwar dafür gehalten / daß mir vornemlich obliege / mich durch freymüthige Bekäntniß und ernstliche (519) Fürstellung / des mir ohne allen Grund auffgebürdeten Verdachts möglichster massen zu entschütten / als ob ich wider Lutheri Person / Reformation und Lehre ein vergalletes und bitteres Gemüth hegete / und bey seiner teutschen Bibel aus einem solchen gifftigen Hertzen etwas erinnert hätte / um seine authorität zu schmählern / die Evangelische Lehre dadurch heimlich anzuzwacken / und die Teutsche Übersetzung denen Leuten dergestalt verdächtig zu machen / als ob sie daraus nicht gnugsam den Grund ihrer Seligkeit und die lautere göttliche Warheit schöpffen könten / und als ob ich aus blosser Ehrsucht und Neugierigkeit eine Sache zu tadeln unternommen / dabey doch niemand etwas / da sichs der Mühe lohnete / mit Grunde erinnern könte; wie denn zum theil Herr D. Joh. Friderich Meyer zu Hamburg dergleichen unverantwortliche Beschuldigungen öffentlich in die Welt geschrieben / zum theil in denen Wittenf 520) bergischen disputationen Herr M. Knoblachs sich dergleichen harte Reden finden / zum theil j und zwar am meisten / viele sich auf diese und dergleichen Art und Weise öffentlich auflf der Cantzel und in privat discursen wider mich vernehmen lassen. Doch ist sonst das meiste zu beantworten noch übrig / daß man so wohl denen Fleischlich-gelehrten / als auch denen durch dieser ihr Geschrey eingenommenen ungelehrten Leuten die manigfaltigen thörichten praejudicia benehme / die daher entstehende viele ver- läumderischen Anschuldigungen beantworte / und gründlich zeige / daß das an denen Observationibus Biblicis genommene Aergerniß an Seiten vieler so genanten Geist­lichen nichts anders als ein rechtes Pharisäisches Aergerniß sey / damit sie selbst die er(521)sten seyn / welche das Volck mit ihrem unverständigen Schelten ärgern / und damit verursachen / daß sie mit ihnen an solchen Dingen ein Aergerniß nehmen / woraus sie sich hätten bauen und bessern mögen. So lange ich etwas gutes zur Ehre meines Gottes und der Kirchen Erbauung gesuchet und fürgenommen / habe ich keinen grossem Widerstand gefunden / als von denen / welche sich Geistliche nennen / und sich umb ihrer leiblichen Versorgung willen des Lehr-Ampts unterfangen haben / und solches zu einem Mittel gebrauchen / in dieser Welt entweder reich zu werden / oder zu hohen Ehren zu gelangen / oder sich in Fleischlichen Wollüsten zu mesten. Die meisten Prediger sind leyder! selbst noch nicht bekehret / und sind doch zu hofifärtig dazu / daß (522) sie es nur glauben solten / daß sie der Bekehrung noch vonnöthen hätten / sondern erbittern sich darwider am allermeisten / wenn man ihnen von der Busse vorsaget. Was können sie denn anderst thun / als daß sie selbst X des Rei chs GOttes verfehlen / und auch andere verhindern / daß sie nicht hinein

42 Vgl. Phil. 3,18.