274

VI. Predigten

niemand zukommen kan / 2 daß wir ohne sein Erbarmen seine Herrligkeit nicht sehen können; Als wollen wir ihn demüthiglich anruffen / daß er uns in seinem Licht das wahre Licht 3 seiner Herrligkeit wolle erkennen lassen / und solches in ei(466)nem gläubigen und andächtigen Vater Unser.

Textus

Evang. Joh. IV.4754.

Ein nachdrücklicher und hertzlicher Wunsch ist es 1. Pet. V, v. 10. den er thut / da er saget: Der GOtt aller Gnade / der uns beruffen hat zu seiner ewigen Herrligkeit in Christo JEsu / der selbige wird euch die ihr eine kleine Zeit leidet / vollbereiten / stärcken / kräfftigen j gründen. ER leget uns damit für (1) was GOtt verheissen ha(467)be / nemlich die ewige Herrligkeit in Christo JEsu. (2) wer sich mit solcher Verheissung insonderheit trösten soll nemlich / die da eine kleine Zeit leiden. (3) was GOtt hier in der Gnaden-Zeit / an denen thun wolle / die solche seineVerheissung recht anneh­men. Von dem ersten stehet. Der GOTT aller Gnaden / daß ist derselbige GOtt / der nicht allein gnädig mag genannt werden / sondern von welchem als dem einigen Vater des Lichts / alle Gnade und alle gute und vollkommene Gabe herab kömmt. Jac. 1/17. Ja in dem so gar alle Gnade und Gabe allein bestehet und begriffen ist / daß auch ohne derselben nicht ein Sonnenstäublein bestehen (468) kan / damit sich niemand des geringsten / ohne seiner Gnade / rühmen könne. Dieser hat seine Gnade / ja seine Freundligkeit und Leutseeligkeit fürnehmlich darinnen bewiesen / daß er die armen Menschen die Staub und Asche sind / welche zwar zu seinem Ebenbilde erschaffen j worden / davon aber in und durch Adam alle abgefallen waren / wiederruffet und locket zu seiner ewigen Herrligkeit / nach dem er ihnen dieselbe in Christo JEsu bereitet hat. Und dessen sollen sich nun insonderheit diejenigen trösten / die eine kleine Zeit leiden / eingedenck / daß ihr Trübsahl zeitlich und leicht ist / und wircket eine ewige und über alle Maß wichtige Herrlig(469)keit. 2. Cor. 4/17. Und eben die- selbigen sind es / an welchen er hier in der Gnaden-Zeit solche grosse Dinge zu thun verspricht / nemlich / daß er sie wolle vollbereiten / stärcken / kräfftigen / gründen. Der Apostel setzet das letzte voran / damit zuweisen / daß GOtt das letztere so gewiß thun wolle / als das erste. Sonst gehet es in dieser Ordnung / daß GOTT den Menschen im Glauben erstlich gründet / und wenn er ihn gegründet hat / so kräffliget er den Glau­ben / dann stärcket er ihn mannigfaltig / biß er ihn endlich vollbereitet / daraus leichtlich mag erkandt werden / daß uns mit einem solchen Glauben / den wir aus eigenen Kräfften gemachet / (470) und in die blosse Einbildung gefasset / ohne Safft und Krafft / gar nicht gedienet sey / sondern daß der wahre lebendige Glaube / dadurch wir uns der Seeligkeit versichern wollen / müsse von JEsu dem Anfänger und Voll­ender des Glaubens Ebr. 12/2. und durch den Geist unsers GOttes / ohne welchen niemand JEsum einen HErrn nennen mag. 1. Cor. 12/3. in unsern Hertzen gewircket werden. Ja wir haben ferner daraus gar eigentlich in acht zunehmen / daß eben derselbige Glaube von GOtt selber gefördert / vermehret und erhalten werden müsse; Und weil GOtt solchen Wachsthum unsers Glaubens gewiß verheissen hat / so lieget (471) es daran / daß wir der Wirckung GOttes / und seines guten Geistes in uns Raum und Platz geben damit unser Glaube immer grösser und stärcker werde / und wir aus Glauben in Glauben / aus Klarheit in Klarheit gehen / und nimmer im Glauben stille stehen / sondern in demselbigen immer näher zum Ziel kommen das himmlische

2 Vgl. 1. Tim.6,16*.

3 Vgl. Ps. 36,10.