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1. Vom rechtschaffenen Wachstum des Glaubens, 1691 275
Kleinod zuergreiffen. Gleich wie ein Gebäude erstlich gegründet / hernach auffgerich- tet / so dann befestiget und wohl verwahret / und endlich bedecket und vollbereitet wird: Also muß das Gebäude des Glaubens / erst fein tiejf und wohl gegründet / dann aujfgerichtet / befestiget und vollbereitet werden. Gleich (472) wie ein Ackermann nicht immerdar pflüget oder brächet / oder seinen Acker zur Saat arbeitet / sondern wenn er den Acker gleich gemachet hat / den Saamen hinein streuet / und dann der Erndte erwartet; Gleich wie ein Gärtner die Bäume pflantzet oder pfropffet / sie dann be- geust / oder des Regens und Sonnenscheins erwartet / nachmals sie beschneidet / auch wohl bewahret / daß sie nicht beschädiget werden / oder erfrieren / biß er den Baum durch den Seegen GOttes so weit bracht / daß er die Früchte davon brechen könne: Also soll ein Christe nicht nur in den Weinstock Christo JEsu eingepflantzet seyn / sondern auch darinne bleiben / Johann. 15. 4 und (473) dessen Lebens-Safft an sich ziehen / grünen / blühen / und endlich die wahren Früchte der Gerechtigkeit / die durch Christum JEsum in ihm geschehen Phil.l.2. * & herfür bringen. Und dieses ist es / was Petrus in diesen vier Worten: Vollbereiten / stärcken ) kräjftigen / gründen j dem wahren lebendigen Glauben will zugeschrieben wissen. Wie nun der HErr JEsus solche Gründung / Kräfftigung j Stärckung und Vollbereitung des Glaubens in uns verrichte / stellet uns gantz klar und deutlich vor Augen / das Exempel des Königischen in dem Evangelio / dahero wir diese Gelegenheit ergreiffen / und aus demselbigen handeln wollen;
(474) Von dem rechtschaffenen Wachsthum des Glaubens / und nach Anleitung des Evangelii besehen:
1. Dessen Gründung 2. Kräfftigung 3. Stärckung 4. Vollbereitung.
Der GOtt aber aller Gnaden wolle auch uns in dieser Stunde gründen / kräjftigen / stärcken und Vollbereiten / sein Wort zu unserer ewigen und gewissen Seeligkeit zu hören.
Tractatio.
WAnn wir denn nun aus unserm Evangelio handeln wollen von dem rechtschaffenen Wachsthum des (475) Glaubens j so haben wir erstlich gantz genau und wohl anzusehen / des Glaubens Gründung. Denn / gleich wie ein Baum auff der blatten Erden ohne Wurtzel nicht wachsen kan / also auch der Glaube nicht / es sey denn / daß er rechte Wurtzeln unter sich in unserm Hertzen geschlagen habe. Das ist eben die Ursache / warumb die Menschen sich ins gemein beklagen / daß sie in ihren Christenthum kein rechtes wachsen und zunehmen verspühren / und daß sie so dahin gehen / und sind ein Jahr so fromm als das andere / nemlich / weil sie auff das Steinigte gesäet sind / und ihr Glaube weder Grund noch Wurtzel gefasset hat. Im Evangelio finden wir den ersten Grund (476) des Glaubens in einem klaren Exempel ausgedrücket: Es war ein Königischer / des Sohn lag kranck zu Capernaum. Möchte iemand sagen: Was ist denn das vor eine Glaubens-Gründung? Antwort / Creutz / Creutz ist die beste Gründung des Glaubens / niemand wird getröstet / es sey denn / daß er Leide trage / Matth.5/v.4. Niemand wird von Christo erquicket / es sey denn / daß er mühselig und beladen sey / Matth, ll/v.8. 6 Christus ist gesand denElenden zupredigen /Esa.61/v.l. Daher wird so vielfältig in der H. Schrifft gedacht der Elenden / Armen / Geringen / Hungerigen / Durstigen / Betrübten / Zerschlagenen / Ge(477) ängsteten / Gedemü-
4 Joh. 15,4 ff.
6 Phil. 1,11.
• Matth. 11,28.