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VI. Predigten
Hülffe versencket / wann er nicht flugs erhöret wird / anhält / so er noch etwas an sich hat / so den Ausbruch eines wahren Glaubens an ihn verhindern möchte / solches von Hertzen-Grund ableget / und immer eyffriger wird / mit Suchen / Bitten und Klopffen / 19 so kömmt denn endlich GOTT zur rechten Zeit / und tröstet ihn mit der Vergebung seiner Sünden / und lasset ihm solches Wort der Rechtferti/.500Jgung ins Hertze hinein dringen / zündet in dem Menschen an das himmlische Licht des Glaubens / oder so es vorhin in der Gründung des Glaubens / noch verborgen in ihm gewesen / so läst ers zu einer hellen Flammen kommen / daß der Mensch sich nunmehr auch in seinem Hertzen / der Gnade GOTTES / des himmlischen Vaters / der ihm geschenckten Gerechtigkeit JESU Christi / und der Vergebung aller seiner Sünden / durch das Zeugnüß des heiligen Geistes / gantz gewiß und ungezweiffelt versichern könne; GOtt rechtfertiget den Menschen / und der Mensch ergreiffet solche Rechtfertigung durch den Glauben der Krafft (501) GOttes. Wie nun der Königische ohne Zweiffel recht inniglich erfreuet worden / da Christus zu ihm gesaget: Gehe hin / dein Sohn lebet / und nun nicht mehr Zeichen und Wunder Zusehen begehret / sondern ge- glaubet / da er auch nicht gesehen: Also und noch vielmehr / wird des Menschen Hertz erfreuet und erqvicket wenn Christus ein Wort ins Hertze spricht: Gehe hin dir sind deine Sünde vergeben / deine Seele lebt in GOtt. Da greifft denn der Mensch im Glauben zu / und glaubet dem Wort / das durch den heiligen Geist ihm ins Hertz geschrieben worden. Denn ein Mensch kan einem wohl das Wort sagen / und davon Zeug/ 502) nüß geben / aber er kan nicht den Glauben im Hertzen anzünden / das Hertz lebendig machen / erfreuen und erqvicken; nicht aus uns / GOttes Gabe ist es; 20 Christus thuts / wann er selbst im Hertzen offenbahret wird. Und da erfahret der Mensch erstlich / wie wichtig der Artickel von der Vergebung der Sünden sey / nemlich wann der Glaube gekräfftiget / oder in eine wahre göttliche Krafft / durch Christum selbst gesetzet wird / da wircket denn diese Kräfftigung des Glaubens so fort in dem Menschen / daß er nicht allein glaubet dem Wort / das JEsus ihm ins Hertz gesprochen / sondern daß er augenblicklich in der empfangenen Krafft des Glaubens / fortgehet. Da (503) Glaube da war / da gieng der Königische hin: Und also auch der Mensch/ wenn er durch den Glauben in seinem Hertzen getröstet wird / so gehet er hin nicht so gebücket und traurig / wie zuvor / sondern da er erst gemeinet / er könne nicht getröstet werden / so meinet er nun / er könne nicht betrübet werden / und siehet wie alle seine Sünden / gegen das Meer der Gnade JEsu Christi / seyn wie ein Tröpfflein / das am Eymer behängen bleibet / 21 ja wenn er JEsum noch mehr beleidiget hätte / und die Sünde der gantzen Welt auff ihm lägen / so wäre doch die Gnade GOttes /die da ist in Christo JEsu / noch mächtiger / 22 grösser und überschwenglicher / denn alle seine Sünde / zwar (504) nicht nach dem Sinn der Welt / die sich auch tröstet mit der Gnade und Barmhertzigkeit Christi / bey aller ihrer Unbußfertigkeit / sondern nachdem GOtt sein Elend angesehen und geheilet / den Grund in seinem Hertzen wohlgeleget / und ihn auff den unbeweglichen Felsen und Eckstein Christum JEsum erbauet hat. So gehet er denn hin in eben demselbigen Glauben / GOtt zu Lobe und Preise / für die grosse Gnade und Barmhertzigkeit / welche er ihm erzeiget hat; Er gehet hin in freudiger Hoffnung und schwinget sich mit seinem Sinne und Gedancken zu dem / der die Hoffnung ist seiner Herrligkeit / Christo JESU: Col. 1/27. Er gehet hinab in (505) das Hauß seines Hertzens / und freuet sich über das Heyl / welches
19 Vgl. Matth. 7,7*.
20 Vgl. Eph. 2,8*.
21 Vgl. Jes.40,15*.
22 Vgl. Röm.5,20*.