1. Vom rechtschaffenen 'Wachstum des Glaubens, 1691
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Verfolgung / mein Leiden / welche mir wiederfahren sind zu Antiochia / zu Iconia / zu Lystram / welche Verfolgung ich da ertrug / und aus allen hat mich der HErr erlöset. Da ist ja wohl ein gestärckter und männlicher Glaube / der aus vieler Erfahrung also sagen mag: Aus dem allen hat mich der HErr erlöset. Solte nicht dieses / eine gantz einfältige und schlechte Gewißheit mit sich bringen / daß der Mensch wohl mit Paulo sagen möchte: Ich weiß an welchen ich glaube / und (518) bin gewiß / daß er mir kan meine Beylage bewahren / biß an jenem Tag 2. Tim. 1/22. 24 Welche Gewißheit zwar wohl auch der Glaube in seiner ersten Krafft empfanget / aber gewiß so offt eine neue Erfahrung da ist / und der Glaube zum Siege wird / der die Welt überwunden hat / 2S so offt wird der Glaube gestärcket / und gehet der Mensch gleichsam aus Glauben in Glauben / aus Klarheit in Klarheit. Ob ihn dann schon die Welt reitzet / und zum Unglauben durch Lust oder Furcht verführen will / so folget er nun desto weniger / je mehr er Erfahrung hat / sondern gleich wie der Vater im Evangelio / seinen Sohn nach dem er von CHRISTO ge(519)mnd gemachet / nicht wiederum würde für- setzlich haben kranck machen wollen: Also wird auch ein Gläubiger je mehr er durch die Erfahrung der Gnade und Krafft JEsu Christi gestärcket ist / seine Seele nicht gerne wieder in die Sünden-Kranckheit stürtzen; Ja so bald er das Wort von der Gnade des Lebens / von dem HErrn JEsu gehöret / und er solchem Wort geglaubet / gehet er hin und erforschet von seinen Begierden / Sinnen und Gedancken / ob es besser mit seiner Seelen worden sey / und erfährt es bald aus der That / daß er verändert ist / ja samt Christo lebendig gemachet / aufferwecket und in das himmlische Wesen versetzet ist. 26 Da er erfahret / daß es eben zu (520) der Stunde / da der HERR JEsus solches Wort des Lebens ihm ins Hertz gesprochen / besser mit ihm worden sey. Je mehr er nun in wircklicher Erfahrung seinen Wandel im Himmel führet / je kräfftiger wird solche Erfahrung in ihm versiegelt / und je gewisser siehet er im Glauben daß er nun kommen sey zu dem Berge Zion / und zu der Stadt des lebendigen GOttes / zu dem himmlischen Jerusalem / und zu der Menge vieler tausend Engeln / und zu der Gemeine der Erstgebohrnen / die im Himmel angeschrieben sind j und zu Gott dem Richter über alle / und zu den Geistern der vollkommenen Gerechten / und (521) zu dem Mittler des Neuen Testaments JEsu / und zu dem Blut der Be- sprengung / das da besser redet denn Abels. Ehr. 12/22.23.24.
Je mehr nun die Erfahrung den Glauben stärcket / je mehr stärcket und vermehret sich auch durch den Glauben die Liebe / daß sie in grösserer Maaß ausfliesse / gegen den Nechsten / dem er auch wo es müglich wäre / oder GOtt von ihm erfordern solte/ sein eigen Leben mittheilen würde. Es wächset durch eben dieselbige Vermehrung des Glaubens / unter der wircklichen Erfahrung die Hoffnung des Lebens / wie es denn gar nachdencklich ist / das Paulus Röm. 5/2.4.5. Erstlich zwar bekennet / daß die (522) durch den Glauben Gerechtfertigten sich gleich Anfangs rühmen konten / der Hoffnung der zukünfftigen Herrligkeit / darauff aber noch absonderlich und zum grossen Unterscheid setzet / daß die Erfahrung eine Hoffnung bringe / und zwar eine viel gewissere und unbeweglichere Hoffnung / nemlich eine solche die da nicht lasse zu schänden werden: Nemlich in der Erfahrung halten wir an solcher angebothenen Hoffnung / und erlangten sie als einen sichern und festen Ancker unserer Seelen / der auch hinein gehet in das Inwendige des Vorhangs / dahin der Vorläuffer JEsus unser Hoherpriester vor uns eingegangen Hebr. 6/18. / 523) 19.20. Gleich als wenn der Mensch mitten unter allen Ungestümen / so auff dem Meer dieser Welt / auff das Schifflein
21 2. Tim. 1,12.
26 Vgl. 1. Joh.5,4*. 26 Vgl. Eph.2,5ff*