284

VI. Predigten

seines Glaubens zu stürmen / den Ancker seines Glaubens auswürffe / daß er an seinem Hertzen angeknüpffet und von JEsu Christo fest gehalten würde / daß solch sein Schifflein nicht in der Irre herum lauffe / und noch zu drümmern gehe / und je mehr nun der Mensch durch tägliche Erfahrung / gewahr wird / daß kein Sturm- Wind ihn überwältigen möge / so er den Ancker Christo nur in den Händen lässet / so mag ja wohl die Erfahrung ihn gewaltig stärcken.

Wo nun der Glaube also gegründet / gekräfftiget und gef 524) stärcket worden / da ist noch übrig / daß er auch Vierdtens vollbereitet werde; Zwar mag dieses auff zweyerley Weise verstanden werden. Erstlich wird der Glaube bereitet / so offt er durch eine neue Erfahrung gestärcket wird / da nehmlich der Gläubige in dieser oder jener Sache / einen neuen Kampff zuübernehmen hat / im Glauben ritterlich ringet j und endlich einen herrlichen Sieg davon trüget. Zum Andern wenn mit dem Ende unsers Lebens / der gantze Kampff und Lauff unsers Glaubens vollendet wird / wie also Paulus saget: 2. Tim.4/7. Ich habe einen guten Kampff gekämpffet / ich habe den Lauff vollendet / ich habe Glauben gehalten. (525) Von der ersten Art der Vollbereitung des Glaubens / giebet uns der Königische ein Exempel / als dessen Glaube / durch die wirckliche Erfahrung dessen / was der HErr JESUS zu ihm gesaget hatte / nicht allein gestärcket / sondern auch vollbereitet ward / daher der Text ferner saget: Und er gläubete mit seinem gantzen Hause / da doch schon zuvor von ihm gesaget war / daß er dem Worte das der HErr JEsus zu ihm gesaget / gegläubet habe. Und je mehr nun diese Vollbereitung des Glaubens in dem Christen-Leben wiederholet wird / je grösser und herrlicher wird die letzte Vollbereitung des Glaubens / und gehet der Mensch aus Glauben nicht in (526) einen schwächern / sondern immer in einen stärckern und völligem Glauben.

Beyderley Art aber der Vollbereitung des Glaubens ist also bewand / daß sie theils den Menschen selbst / theils andern zum besten gereicht / der Mensch selbst wird mit dem gantzen Hause seines Hertzens gläubig an dem HErrn seinen GOtt / und aus einen kleinen Funcken des Glaubens entstehet ein grosses Feuer / welches alle Kräffte der Seelen ergreiffet / und GOtt zu einem Opffer bringet. Das ist dann der Männliche Glaube / dadurch das Hertz feste wird / welches die Epistel Hebr. 13/9. Ein köstlich Ding nennet. Andern gereichet dann solche Vollbereitung des Glaubens (527) auch zum besten / in dem es bey einen solchen Gläubigen gehet / als wenn man ein groß Feuer in einen Ofen leget / davon das gantze Gemach erwärmet wird: Denn also ward der Königische gläubig mit seinem gantzen Hause / brach ohne Zweifel aus in Lob und Preiß des jenigen / den GOTT gesand zum Heyl und Wolfarth der Men­schen / und verkündigte den Nahmen des HErrn JEsu mit grosser Freudigkeit / seinen Kindern und Gesinde / und ermahnet sie an Ihn zuglauben / wodurch denn das gantze Hauß erreget und erwecket ward / und mit ihm eben denselbigen theuren Glauben überkamen. 27 Das ist es / was von solcher Vollbereitung des Glaubens Jesaias verkünf 528) diget Cap. 58. v.11.12. Du wirst seyn wie ein gewässerter Garte j und wie eine Wasserquelle / welcher es nimmer an Wasser fehlet (das ist die Vollberei­tung des Glaubens zum besten des Gläubigen selbst) und soll durch dich gebauet werden j was lange wüste gelegen ist / und wirst Grund legen der für und für bleibe und solt heissen / der die Lücken verzäunet und die Wege bessert / daß man da wohnen möge (so soll auch andern die Vollbereitung eines Gläubigen zu ihren besten gereichen.) Also ward auch an Abraham dem Vater der Gläubigen / nicht allein für seine Person sein Glaube vollbereitet / sondern (529) GOtt zeugete auch von ihm: Ich weiß er wird

27 Vgl. 2. Petr. 1,1.