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VI. Predigten
liehe Weg ist / den insgemein die Menschen / so zum HErrn JESU recht bekehret werden / erfahren müssen) sollen in allen dem Exempel des Königischen fein (546) nachfolgen / Erstlich j die Gefährligkeit ihrer Seelen-Kranckheit / obs gleich Schmertzen und Traurigkeit verursachet / fein wohl und tieff erkennen lernen. Zum Andern / sich dadurch zum recht ernstlichen Gehör des göttlichen Wortes / und der Predigt von dem HErrn JEsu erwecken und auffmuntern lassen / und in solchem Worte GOttes immer tieffer graben / einen rechten festen und unbeweglichen Grund ihrer Bekehrung zu legen. Zum Dritten sich durch die tieffe Erkändniß ihres Elendes und der verdienten ewigen Verdammniß zum HErrn JEsu selbst treiben lassen / ihre Last ihm auffzubinden / und sein Joch auff sich zu nehmen / und alles (547) andere aus den Augen und aus dem Sinn zu setzen / und ihre einige Hoffnung / Trost und Freude allein in dem HErrn JEsu / und nicht in ihnen selbst / noch in einer irrdischen Sache zu suchen. Zum Vierdten / im Gebet nicht müde noch matt werden / sondern ihr Elend rein und ohne falsch für ihrem Heylande ausschütten / und wenn ihnen nicht gleich Hülffe wiederfähret / dennoch nicht ablassen / sondern vielmehr alle dasjenige / was sie nur erkennen möchten / das ihrem Heylande zuwider sey / so viel an ihnen ist / ablegen / und darinnen auffrichtig handeln / und sich nicht vergeblich und ohne Ursach mit Menschlicher Schwachheit entschuldigen / so ist kein Zweiffel / die Gnade und Hülff 548) fe unsers HErrn JEsu Christi werde ihnen schon zu rechter Zeit erscheinen.
Hier aber fället nun vor ein zwiefacher Unterschied der Menschen / und daher auch einige / so zu bestraffen / einige / so zu trösten sind. Denn es finden sich / die wohl selbst Schuld daran sind / daß / nachdem sie einmal von Gottes Wort kräfftig ge- rühret sind / sie nichts desto weniger viele Jahre lang / ja fast ihre Lebens-Zeit immer im Wollen bestehen bleiben / und nichts als Klagen führen / daß sie wohl sehen / daß sie nicht recht stehen / und doch nie rechten Ernst darzu thun / Hülffe zu erlangen / da sie zu erlangen ist / nemlich von JEsu / dem Anfänger und Vollender des Glaubens. 39 Solche sind (549) gewiß sehr nahe denen / davon oben erwehnet / daß sie weder kalt noch warm / sondern lau sind. 40 So sind nun dieselbigen zu erinnern / daß sie sich nicht mit vergeblichen Trost auffhalten / noch damit sich begnügen lassen / daß ihr Hertz einmal von GOttes Wort gerühret ist / sondern daß sie dem Reic h y Gottes Gewalt thun / und recht kämpffen / damit sie nicht unter denen seyn / die "darnach trachten / in das Himmelreich zu kommen / und es nicht werden thun können.* 1 Andere hingegen / die also unter dem Gesetze stehen / thun ja wohl grossen Ernst / daß man sie nicht mit Recht einer Unachtsamkeit in dem Werck ihrer Seligkeit beschuldigen kan / die Pfeile (550) GOttes stecken in ihnen / und die Hand des HErrn drücket sie / 42 ihr Geist ist in ihnen geängstet und zuschlagen / sie gehen den gantzen Tag traurig und gebücket / 43 wie der Hirsch schreyet nach frischen Wasser / also dürstet ihre Seele nach GOtt / nach dem lebendigen GOtt / 44 ihr Gebeine wird zumalmet für hertzlichem Verlangen / nach der Versicherung der Gnade GOttes / sie hören GOttes Wort / aber könnens nicht ins Hertz fassen / sie sehen auff JEsum / aber empfinden keinen Trost und keine Krafft von ihm / sie sind begierig / abzulegen was ihrem GOtt mißfällig seyn möchte / ja sie legen auch wircklich ab alle Heucheley (551) und Boßheit / ob
39 Vgl. Hebr.12,2*. 10 Vgl. Offb.3,16*.
41 Vgl. Luk. 13,24.
42 Vgl. Ps.38,2*.
43 Vgl. Ps.38,6*.
44 Vgl. Ps.42,2f.*