3. Von den falschen Propheten, 1698
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umb des Namens CHristi willen Schmach zu leiden. 32 Im Gegentheil / wie ist es denn ergangen den falschen Propheten? Da (94) spricht unser Heyland bey dem Evangelisten Luca im VI.26. darinnen eben diese Berg-Predigt enthalten ist / also: wehe euch / wenn euch jederman wohl redet; Deßgleichen thaten ihre Väter den falschen Propheten auch. Also ist das Maalzeichen der falschen Propheten gewesen / daß jederman wohl von ihnen geredet hat. Darumb haben denn die falschen Propheten die Maalzeichen JEsu CHristi nicht an sich; denn sie sind Wölffe / und nicht Schaaffe: ja sie scheuen sich auch davor; sie nehmen sich gar wohl in acht / daß sie doch ja nicht bey der Welt einen Verdacht und gehässigen Namen davon tragen mögen: sondern das halten sie vor ihre Crone / wenn jederman wohl von ihnen redet; wenn sie bey den Leuten beliebt seyn. Wäre das nicht / so würden sie sich eines grossen Schadens befahren: denn damit möchte ihnen vieles von ihrer Ehre / Ansehen (95) Respect und Einnahme abgehen. So können wir aus diesem allen nun wohl erkennen / was es sey / das unser Heyland saget: an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.
Das dritte Stück.
NUn müssen wir auch zum dritten sehen / wie wir uns denn für den falschen Propheten zu hüten haben: Denn darauff gehet ja vornehmlich unser heutiges Evangelium. Es heisset: Sehet euch für / für den falschen Propheten etc. Da laßt uns nun denn recht auffmercksam seyn: zumalen hieran ja alles gelegen / daß man diese geistliche Klugheit und Vorsichtigkeit recht lernen möge. Wollen wir denn nun für der Verführung der falschen Propheten bewahret werden: so müssen wir erst denjenigen grossen Propheten recht (96) kennen lernen / der diese Warnung gegeben hat / nehmlich JEsum Christum den Heyland der Welt / den sage ich / müssen wir erst recht kennen lernen / und denselben müssen wir von gantzem Hertzen suchen. Lieben Menschen! woher kommts doch / daß ihr so viel Furcht in euch habet; Es möchte etwas darhinter seyn / oder ihr möchtet verführet werden? Es kommt in Wahrheit daher: daß ihr euch nicht zu dem Ertz-Hirten CHristo JEsu von gantzem Hertzen wendet. O fanget doch nur an Ihn als euren Lehrer / als euren Propheten / Hirten und Meister anzunehmen. Ihr habt ja sein Wort / das Er euch hinterlassen hat: Gläubet demselbigen / so werdet ihr nicht verführet. Wer heissets euch / daß ihr euch an diese und jene Menschen hanget? Ihr seyd nicht gebunden an Menschen; Darauff hat euch GOtt nicht gewiesen: Sondern Er hat euch gewiesen an (97) seinen eingebohrnen Sohn / und gesaget; Das ist mein lieber Sohn / an dem ich Wohlgefallen habe / den sollt ihr hören , 33 Wenn ihr das thut / so werdet ihr nicht irre werden. Wenn ihr gleich höret: Der und der Mann soll in diesem / jener in einem andern Irrthum stecken / und wisset diese und jene Historie zuerzählen / was gehts euch an? Sie stehen und fallen ihrem HErrn 34 und Richter. Seyd ihr zu Richtern über sie ge- setzet? Sehet ihr nur dahin / daß ihr euch haltet an den / davon GOtt gesaget hat: Den sollt ihr hören: auff den seyd ihr gewiesen. Wo ihr euch nun an denselbigen haltet; Wo ihr euch von gantzen Hertzen zu demselbigen wendet; wo ihr ihn annehmet als eure Weißheit / Gerechtigkeit / Heiligung und Erlösung: 38 sehet so werdet ihr alsdenn für aller Gefahr der Verführung sicher seyn / und wer(98)det durch solche Erkenntniß und Gehorsam das Wahre von dem Falschen am besten unterscheiden lernen.
32 Vgl. Apg. 5,40 f.*
33 Matth. 17,5*.
34 Vgl. Rom. 14,4*.
35 Vgl. 1. Kor. 1,30*. 22 Peschke, Francke-Werke