3. Von den falschen Propheten, 1698
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will ich Bürge dafür (128) seyn / daß er nicht werde verführet werden: Denn CHri- stus / den er allein suchet / ist viel zugetreu / daß Er ihn sich sollte aus den Händen reissen lassen: Das Wort GOttes ist viel zu lauter / daß es den Menschen / der sich an daßelbe hält / sollte betriegen; Und so der Mensch seine Treue gegen GOTT beweiset / daß er durch dessen Krafit sein Gewissen nicht verletze / wie sollte der verführet werden? Sollte dann GOTT der HErr ungerecht seyn / daß Er einen Menschen / Er möge sich hüten / wie er wolle / dennoch in solche Gefahr sollte gerathen lassen? Ach nein! sondern wo ihr werdet bey diesen dreyen Stücken bleiben / so könnet Ihr ausser aller Furcht der Verführung seyn / und werdet euch auch nicht mehr daran kehren / was dieser oder jener lehret. Ihr werdet selbst von GOTT gelehret werden / welches der rechte Weeg sey / und werdet auff demsel(129)hen frölich wandeln können / und mit der Krafft JEsu gestärcket werden / als fruchtbare Bäume die rechten Früchte des Lebens zu tragen; ja ihr werdet treu geachtet werden von dem HErrn / daß ihr auch andere auff den guten Weege stärcken und die Schwachen / welche sich in die mannigfaltigen Streit-Händel / so unter den Gelehrten vorgehen/ nicht schicken können / einfältiglich darauff weisen können / daß sie nach dem Worte GOttes wandeln / und ihr Vertrauen auff JEsum CHristum setzen / und seinen Fuß- stapffen nachfolgen sollen / in der Zuversicht / daß der Ertz-Hirt CHristus JEsus sie nicht werde irre gehen lassen. Nun das sey dann zu diesemmal gesagt von falschen Propheten. Es lieget euch denn nun ob / daß ihr dieses Wort der Wahrheit inacht nehmet / künfftig für falschen Propheten euch hütet / und dem Worte GOttes / und (130) dem / von welchen es zeuget / nehmlich JESU CHristo / so denn auch seinen Knechten / die ihm in der Wahrheit dienen / desto treulicher nachfolget. Damit nun dieses geschehen möge / so demüthiget euch mit mir vor den allsehenden Augen unsers GOttes / und laßt uns mit einander andächtiglich also beten.
Gebet.
0 Du heiliger / lebendiger GOTT und lieber himmlischer Vater! du wollest deine arme Christenheit mit väterlichen Augen gnädiglich ansehen! Ach GOTT! siehest du denn nicht j was für ein (131) elender Zustand ist mitten unter denen / die sich Christen nennen? Wie verkehret es ist in allen Ständen j und wie auch so gar diejenige / welche Lehrer j Leiter und Lichter seyn sollten deines Volcks / selbst großen theils verkehret und verfinstert sind / ja deinen Weeg denen Menschen verkehren / und zerstören / den sie auffrichten und bauen sollten! Ach du getreuer GOTT! laß dich solches gnädiglich erbarmen! Wie groß sind doch die Gewitter deines gerechten Zorns! Sollen sie (132) dann nicht bald ausgewittert haben? Soll deine Gnade nicht wieder aujfgehen über deine Christenheit / daß du dich derselben selbst annehmest / und die Lämmer in deinen Busen sammlest / und die Schaajf-Mütter führest / daß du Hirten gebest nach deinem Hertzen / die sich deiner Gemeine annehmen mit gutem und rechtschaffenem Hertzen / und sie weyden mit aller Treue? Ach! du HErr der Erndte j sende doch Arbeiter in deine Erndte; denn du hast uns ja in eine Zeit gerathen lassen / da die Ernd( 133)te groß ist / aber der Arbeiter so wenig sind. Getreuer und ewiger Vater! Ach! erbarme dich doch der einfältigen Menschen / welche sich von den sogenannten Lehrern dieser Zeit führen und leiten lassen / nach ihrem eigenen Willen; Erbarme dich ihrer / o HErr! und gieb ihnen Augen / daß sie sehen mögen / daß sie Lügen und Wahrheit von einander unterscheiden. Ach HErr du getreuer GOtt! so weit ist es nun gekommen / daß / wenn man von den falschen Propheten redet / die Hertzen (134) mit so vielem Argwohn eingenommen sind / daß es hart hält hindurch zudringen / und das Wort der Wahrheit / klar genug vor Augen zulegen. Ja es ist so weit kommen / als zu der Zeit / da dein lieber Sohn JEsus CHristus noch auff