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VI. Predigten

Daß Er

I. Sie ins Creutz einführet;

II. Sich im Creutz vor ihnen verbirget /

und

III. Wie Er sie kräfftig aus dem Creutz errettet.

ES gebe denn der getreue Heiland / daß wir auch also lernen mögen / wie wir uns von Ihm selbst im Glauben sollen üben laßen / und solches alles zu Lobe seines allerheiligsten Namens! Amen!

Erster Theil.

JEsus trat in das Schiff / und seine Jünger folgeten ihm. Hiermit zeiget der HErr JEsus / wie er der wahrhafftige Hirt und Lehrer sey der Seinigen / der nicht mit Worten allein lehret / noch auff einen Weg weiset / den er selbst nicht betreten / son­dern der selbst vor seinen Schaffen hingehet / und zwar nicht allein in guten Tagen / sondern vornemlich / wenn Creutz und Trübsal herein bricht. So ist er es nun selbst / der die Seinigen im Glauben übet: Er ist das A unsers Glaubens / der Anfänger / Er ist auch das 0 / das ist / der Vollender deßelben. Denn der Glaube ist eine Gabe / die von CHristo JEsu in uns gewircket wird. Demnach muß auch alle Übung des Glau­bens von Ihm herkommen. Es möchte der Mensch irgend einige äußerliche Übungen vorgeben / und in denenselben nach seinem Gefallen sich üben / und vieleicht aus Unbesonnenheit eigenen Kräfften etwas zuschreiben: Was aber die Übung des Glaubens betrifft / die ist so hoch / daß der Mensch gewißlich sich darinnen nicht zu üben weiß aus eigener Krafft / und kan er davon gar leicht überzeuget werden / so er einmal die Gestalt eines lebendigen Glaubens erkannt und erblicket hat / wie es über alle Kräffte sey / daß ein Mensch sich im Glauben üben möge. Darumb muß uns denn GOtt selbst gänglen wie die Jugend . 6 Und wie ein kleines Kind gar sorgfältiglich und behutsamlich muß geleitet werden / daß es nach und nach gehen lernet / so muß (344) uns unser Heiland auch bey der rechten Hand ergreiffen / und führen nach seinem Rath / sollen wir recht im Glauben geübet werden.

Eben dieses ist ein Haupt-Stück des Christenthums. Denn der Glaube ist der Grund / auff welchem alles muß erbauet werden / und die Wurtzel / aus welcher alles bey dem Menschen muß herfür wachsen / was himmlisch und göttlich ist. In dem­selben Glauben aber von CHRIsto selbst geübet zu werden / ist von grosser Noth- wendigkeit / wie hier CHristi und seiner Jünger Exempel lehret / daß der Mensch nicht sich selbst eigenwilliger Weise Creutz und Trübsal machen / sondern dem HErrn JESU das Creutz nachtragen solle. Wenn JEsus ins Schiff tritt / so soll der Mensch bereit seyn zufolgen.

Und / mercke es wohl / seine Jünger warens / nemlich die ihre Hertzen bereits im Glauben mit ihm vereiniget hatten / welche ihm nachfolgeten. So der Mensch dieses zum Grunde leget in seinem gantzen Leben und Beruff / in allen seinen Thun und Lassen / sonderlich aber im Leiden / daß er zu erst mit CHristo JEsu im Hertzen inniglich sich vereinige / und dann sein Werck oder Leiden antrete; so mag es denn allezeit heißen: JEsus trat in das Schiff / und seine Jünger folgeten Ihm. Das ist denn ein rechtes Creutz / in welches wir uns nicht selbst nach dem Sinn des Fleisches ein­führen / sondern in welches uns CHristus einführet / und da der Glaube an ihm und seine Nachfolge zum Grunde lieget.

* Ps. 48,15*.