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VI. Predigten
0 ihr Kleingläubigen / sprach er / warumb seyd ihr so furchtsam J ihr könnet ja so •wohl schlaffen / als ich geschlaffen habe; Warumb seyd ihr so furchtsam / als wenn ich euch wolte umbkommen lassen? Muß nicht das Werck des HErrn durch meine Hand vollendet werden? Könnt ihr nicht getrost seyn / da ihr bey mir seyd? Glaubet ihr / daß ich der Christ des HErrn sey / und habt euch mit mir vereiniget / als meine Jünger / wie könnt ihr denn dencken / daß das Schiff werde untergehen? könnt ihr denn nicht gedencken / daß dieser Sturm sich werde legen müßen / damit der Rath GOttes bestehe?
Eben also wil uns auch unser Heiland im Glauben üben / in dem er auch in unserm Hertzen die Furchtsamkeit bestraffet. Anfänglich kommets denen Gläubigen also vor / als ob es da so große Gefahr habe / gleichsam als wenn einer mitten auff dem Meer ist / und er da nichts mehr als den gegenwärtigen Todt vor Augen siehet; Aber dann wird der Mensch überzeuget in seinem Hertzen / daß er bey sich selbst ge- dencket; Sihe / ich Thor und Narr / was hab ich es nöthig / daß ich mich fürchte und scheue / ich habe ja mit dem HErrn JEsu in meinem Hertzen mich vereiniget / habe ja mit demselbigen mich verbunden. Ist er mein Heiland / Helffer / und Seligmacher / so wird ers ja wohl wissen / wie er mich zur Seligkeit bringen soll / und so wird er ja sein Werck / das er in mir angefangen hat / wohl hinausführen.
Wenn sich der Mensch dann also recolligiret und fasset / das ist nichts anders / als daß unser Heiland ihm ins Hertze rufft; Du Kleingläubiger / warumb bistu so furchtsam? Hast du es mit mir angefangen / so werde ichs auch wol ausführen können. Darumb solt du getrost seyn / dich vor keiner Noth fürchten / sondern dich nur an mich halten / dich darauff verlassen / daß ich mit dir im Schiffe deines Hertzens bin / und dich getrost im Glauben auff mich gründen / so wird dir weder Noth noch Todt schaden können / sondern wirst in allem weit überwinden. Wie es denn endlich heisset: Und er stund auff / bedrauete den Wind und das Meer / da ward es gantz stille.
Dritter Theil.
(353) Wir sehen denn also noch ferner / wie er seine Gläubigen im Glauben übet / indem er auch wircklich die Hülffe ihnen erweiset / und sie aus dem Creutz errettet. Denn es heißt: Er stund auff / welches bedeutet / daß er sich zur Hülffe bereit machet. Es war dieses eine zwar äußerliche / aber besondere und große Noth / welche diejenige Noth eigentlich vorstellet / in welche gläubige Kinder GOttes gerathen / wenn sie im Glauben recht sollen geübet werden. Denn da muste es also scheinen / als ob keine Hülffe sey. Wenn ein Mensch auff dem Meer ist / und daselbst von dem Ungestüm überfallen wird / wer kann ihm helffen / oder wie kann er errettet werden / wenn ihm GOtt der HErr nicht hilfft? Er siehet da nichts anders / als daß er müsse verderben und umbkommen. Und also gehet es denn auch dem Menschen / wenn GOtt der HErr ihn recht in Glauben prüffen will / so kömmts dem Menschen vor / als sey da kein Mittel / daß ihm geholffen werden könne. Da spricht denn die Vernunfft: Ja es geschiehet nicht so unmittelbarer Weise / und also wirst du müssen umbkommen und verderben. Aber da sollen wir recht gelehret werden / daß eben das des Glaubens Art sey / der müße nichts haben / woran er sich äußerlich halte / sondern müße sich bloß und lauterlich an Christum seinen Heiland halten / an den Mittler zwischen GOtt und den Menschen / derselbe werde Ihn so dann schon zuerhalten wißen. Also wird dann der Mensch in dem Glauben geübet / wenn GOtt der HErr ihn bloß stehen läßet in seinem Creutz / von aller äußerlichen Hülffe und von allem äußerlichen Trost / damit sich das Hertz allein an CHristum JEsum seinen Heiland / und an sein kräfftiges Wort halten möge.