1. Schriftmäßige Lebensregeln, 1689
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M. August Hermann Franckens Gr. & Or. Lingg. P. P. &. P. Glauch. Schrifftmäßige Lebens-Regien /
Wie man so wohl bey als ausser der Gesellschafft die Liebe und Freundligkeit gegen den Nechsten / und Freudigkeit eines guten Gewissens für GOTT bewahren / und im Christenthum zunehmen soll.
LEIPZIG / Bey Johann Heimchens seel. Wittib. 1695.
( 9 ) I.
GEsellschafft gibt viel Gelegenheit zu sündigen. Wilst du dein Gewissen bewahren / so sey (I) eingedenck / daß der grosse und Majestätische GOTT nach seiner Allgegenwart der Vornehmste in der Gesellschafft sey. Vor eines so grossen HErrn Gegenwart solte man ja noch wohl Scheu haben.
II.
Was du thust / siehe zu / daß dir niemand (viel weniger aber du dir selbst) deinen innern Frieden / und deine Ruhe in GOTT störe.
III.
Rede nicht von deinen Feinden als aus Liebe / zu GOTTES Ehren / und zu ihrem Besten.
( 10 ) IV.
Dringe dich nicht darzu / viel zu reden. Wenn dir aber GOTT Gelegenheit giebet Zureden / so rede mit Ehrerbietigkeit / gutem Bedacht / Sanfftmuth / so viel du gäntzlich Gewißheit hast / mit liebreicher Ernsthafftigkeit / mit deutlichen und klaren Worten / ordentlich und mit gutem Unterscheid / ohne Übereilung der Sprache / ohne Wiederholung / wo es nicht die Nothwendigkeit erfodert.
V.
Laß dich nicht verwegen ein / von den Dingen dieser Welt zu reden / wenn nicht GOTT dadurch geehret / dein Nechster gebessert / und deiner Nothdurfft geholffen wird. Es ist ein Wort des HErrn: Alles was ihr thut in Worten oder in Wercken / das thut im Nahmen des HErrn JEsu / und dancket GOtt und dem Vater durch Ihn / Col.3/17.
( 11 ) VI.
Hüte dich / daß deine Rede nicht stachlicht / oder spöttisch sey. Alle anzügliche und lächerliche / oder nur unverständige Sprüchwörter und Redens-Arten / welche Aergernüß erregen können / meide. Frage andere / ob du dergleichen an dir habest. Denn die Gewohnheit macht / daß man es Selbsten nicht gewahr wird. Fluchen ist unter denen groben Sünden. Wer flucht / verflucht sich und das Seinige.
VII.
Wenn du von GOTT und deinem Heyland redest / so rede davon mit grosser Demuth und Ehrerbietigkeit als vor seinem Angesicht. Schäme dich / den Nahmen JESUS zu einem Sprüchwort zu machen. Wer GOtt in seinem Hertzen heiliget / wird ihn nicht mit dem Munde verunheiligen.