2. Von der Christen Vollkommenheit, 1691

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12.

Daher auch folget: Ein Gerechtfertigter hat keine Sünde / nemlich nach der Recht­fertigung / und hat Sünde nach der Erneuerung; Denn was dem Menschen noch anklebet / wird ihm nicht zugerechnet umb Christus willen.

13.

Wenn nun der Mensch / der bereits gerechtfertiget ist / betet oder zur Beichte gehet / betet er / daß ihm GOtt seine anklebende Sünde um Christi willen vergeben / und nicht zurechnen wolle / gleich wie er weiß / und versichert ist / daß an ihm / als der da ist in Christo JEsu / keine Verdammung ist.

14 .

Daher geniesset auch der gerechtfertigte Mensch das H. Abendmahl zur Stärckung seines Glaubens / und zur Besserung seines Lebens.

15.

Bey dem allen aber hat sich der Mensch wol in Acht zunehmen / daß seine Buße nicht Heucheley sey / sondern daß er schaffe / daß er selig werde mit Furcht und Zittern / sonst kan der Trost von der Gnade Christi leicht auf Muthwillen gezogen werden / daß der Mensch die Welt lieb hat / und sich beredet / die Liebe GOttes sey in ihm / welcher Betrug wol die Helle sehr vollckreich machet.