362

VII. Schriften zur Lebensführung

ablässet mit Bitten / Flehen / Suchen / ( 9 ) KlopfFen / biß Er in seinem Hertzen ver­sichert sey / daß Ihm die Thür zur Gnade auffgethan sey / und Ihm durch das Blut JEsu Christi alle seine Sünde vergeben / und Er mit GOtt durch den HErrn JEsum versöhnet sey / daß Er Ihn getrost einen Vater nennen könne durch den Heil. Geist / welcher durch Ihn in seinem Hertzen ruffet: Abba lieber Vater. Rom. VIII.15.

VI. Er darf! sich aber durchaus nicht einbilden / daß Er Ihm selber einen solchen Glauben könne geben / denn es ist nicht aus uns / GOttes Gabe ist es / sondern Er muß GOtt die Ehre geben und Ihn bitten / daß Er durch seinen Heil. Geist den Glauben in seinem Hertzen anzünden wolle / damit seine Seeligkeit nicht ferner eine blosse Einbildung sey / sondern in göttlicher Gewißheit eines wahren und lebendigen Glaubens bestehe. Wann nun der Mensch einen wahren lebendigen Glauben von GOtt empfangen hat / so wird Er an Vergebung seiner vorigen Sünden auch nicht zweiffe- len / und da heist es dann bey Ihm: ( 10 ) Ist jemand in Christo / so ist er eine neue Creatur / das alte ist vergangen und alles neu worden. 2. Cor. V.17. GOtt hat Ihm denn einen andern Sinn gegeben / daß Er sich seine Seele lasset mehr angelegen seyn / als er hiebevor gethan hat / sein Sinn stehet nun nicht mehr auff das zeitliche Leben / sondern ist auff das Ewige gerichtet / Er fanget an sein Thun so einzurichten / daß es GOtt im Himmel nicht zuwider sey / sondern daß es Ihm vielmehr Wohlgefallen möge. Er kan nicht mehr in den Tag so frey hinein reden / als er vorhin gethan hat / sondern befindet grosse Unruhe in seinem Hertzen / wenn er / wie vorhin / unnütz Geschwätz treibet / Er kan nicht mehr vornehmen / was Ihm nach seinem Fleisch und Blut gut deucht / sondern er muß wissen / ob es auch mit dem willen GOttes überein komme. Er kan nicht mehr mit seinen Gedancken herum fladdern / und grosse Anschläge auffs künfftige machen; sondern sein Hertz und Sinn steht ihm zum lieben Gott und sein Tichten und Trachten nach dem das droben ist da Christus ( 11 ) ist / Coloß. III.l. Er kan sich nun aus dem Weltwesen keine Freude mehr ma­chen / weil er viel etwas bessers erkant hat / in Summa weil er weiß / daß Er für GOtt gerecht ist / so wil er nun solche durch Christum erlangte Gerechtigkeit nicht gern wieder verlieren / welches geschehen würde / wenn er wieder in sein voriges Sünden Wesen hinein ließe / und derowegen wolte er nun auch gerne ein gantz ander Leben führen / als er vorhin geführet hat;

VII. Da muß nun der Mensch die Sache fein gründlich angreiffen / und ja für allen Dingen nicht gedencken: Er wolle sich selbst bessern und heiliger machen / sondern er muß seinem Heylande die Ehre geben / daß Er Ihm von GOtt gemachet sey / nicht allein zur Gerechtigkeit / sondern auch zur Heiligung / das ist: Er muß den lieben GOtt fein demühtig anruffen / daß Er durch den Glauben an den HErrn JEsum sein Hertz immer mehr und mehr reinigen wolle von bösen Gedancken und Begierden / und so muß sein Vertrauen fest zu ( 12 ) dem lieben GOTT stehen / daß der das Wollen in Ihm gewircket / gebe auch das Vollbringen / und umb des willen muß er seine Seeligkeit fein schaffen mit Furcht und Zittern. Philipp. 11.13. nicht wieder sicher und frech werden / sondern GOtt bitten / daß Er seinen Glauben stär- cken und groß machen wolle / denn darinn bestehet aller Wachsthum / daß man im Glauben recht wohl gegründet und gewurtzelt sey; Denn dadurch hat man Christum wohnend in seinem Hertzen / daß man starck werden kan am innern Menschen.

VIII. Durch solchen Glauben / den Ihm GOtt auff sein hertzliches Gebeth gerne stärcken und vermehren wird / muß er die Nachfolge seines HErrn JEsu mit Ernst antreten / alles ungöttliche Wesen verläugnen / Gottseelig zu leben anfangen. Tit. 11.12. und solches getrost fortsetzen biß an sein Ende. Durch solchen Glauben nun muß er sein Fleisch und Blut creutzigen sambt den Lüsten und Begierden. Galat. V.24. Wenn sich eine böse Lust und Begierde in seif^^nem Fleische und Blute