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3. Anleitung zum Christentum [1696]
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reget / muß er solche bald dempffen und nicht den geringsten Platz noch Raum geben / weil er weiß / daß er nun GOttes Kind / Christi Bruder / ein Erbe des ewigen Lebens / ein Christ (ein Gesalbter mit dem Heil. Geist) ist und heisset / und also von GOTT Krafft gnug empfangen hat und noch empfangen kan / solchen bösen Lüsten / die ihn zur Wollust / Hoffart / Geitz und andern Lastern reitzen / mit Nachdruck zu wiederstehen.
IX. Durch solchen Glauben muß er all sein Thun und Lassen in die Hände des getreuen lieben GOttes empfehlen / der ihn ja nun lieb hat / der es nicht böse mit Ihm meinen oder ihn vergessen oder versäumen wird. Darum muß er durch solchen Glauben Sorge / Furcht / Angst / und dergleichen fahren lassen / und sein Vertrauen nie wegwerffen / welches eine grosse Belohnung hat; Indessen muß er auch in solchem seinem Glauben seine Beruffs-Arbeit freudig und getrost verrichten / GOtt zu Ehren und dem Nächsten zu Nutz / und mag auch wol seine (14) zeitliche Nahrunge davon nehmen / doch ohne Geitz / und daß er alles nicht seiner Hände Arbeit / sondern dem Seegen GOttes zuschreiben. Denn mancher wohl viel Arbeit und doch wenig hat. Durch solchen Glauben und in solchem Glauben muß er denn auch alles gantz willig über sich nehmen / wie es GOtt mit ihm schicket / und muß getrost seyn in Armuth / Kranckheit und allem dem / worinnen sonst die ungläubige Menschen verzagen wollen; Denn er weiß ja gewiß / daß ihm das alles von der Hand seines getreuen und lieben Vaters zugeschicket sey / der ihm auch gewiß alles zu seinem Besten richten werde / wie geschrieben stehet: Denen die GOTT lieben müssen alle Dinge zum besten dienen / Röm. IIX.28. Ja er muß durch solchen Glauben getrost überwinden wann er um seiner Frömmigkeit willen solte von der Welt geschmähet und verfolget werden / und das für eitel Freude und eine grosse Gnade GOttes achten / (15) daß er gewürdiget wird um des Nahmens Christi willen Schmach zu leiden. Act. V.41. Durch solchen Glauben muß er sich allemahl an der Gnade GOttes begnügen lassen / und von Hertzen Grunde sprechen lernen aus dem LXXIII. Psalm. HERR wenn ich nur dich habe / so frag ich nichts nach Himmel und Erden und wenn mir gleich Leib und Seele verschmacht / so bistu doch Gott allezeit meines Hertzens Trost und mein Theil. 2
X. Durch solchen Glauben muß er sich also dem lieben GOtt überlassen und zueigen ergeben / daß Er nicht mehr sich selbst lebe / sondern dem / der für Ihm gestorben und aufferstanden ist. 2. Cor. V.15. und also muß Er durch solchen Glauben in allen Geboten GOttes beständig einher gehen / das ist / in rechter hertzlicher Liebe stehen / beydes gegen GOtt und seinen Nechsten / denn es heist: Wer da sagt: Er kenne Christum und hält seine Gebote (16) nicht / der ist ein Lügner / und in solchen ist keine Warheit. 1. Joh. II.4. Durch solchen Glauben kan er sich nicht mehr auff Geld und Guht / auff Menschen-Gunst / Ansehen und Macht verlassen / sondern allein auff GOttes Gnade / noch sich dafür fürchten / sondern allein für dem Zorn seines Himmlischen Vaters. Durch seinen Glauben kan er sich nicht mehr der Welt gleich stellen und wenn Ihn gleich alle darob vor einen Narren hielten. Durch seinen Glauben siehet Er / daß äusserliche Frömmigkeit nur Heucheley sey ohne der Innerlichen / und legt also dadurch nicht allein die äusserliche Laster ab / sondern auch die Innerliche / sein Glaube dringet Ihm / daß Er allen Vorsatz / auch nur in die geringste Sünde zu willigen aus seinem Hertzen gantz verbanne / in solchem Glauben lebet Er allezeit als für dem Angesicht GOTTes und seines Heylandes JEsu Christi / und freuet sich über seine heilige Gemeinschafft mit GOtt / durch solchen Glauben suchet
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2 Ps. 73,25 f.