374

VII. Schriften zur Lebensführung

tung und Regirung des H. Geistes / um wahre Furcht und Liebe Gottes / und der­gleichen; und dann auch um das leibliche / so weit es GOtt erkenne / daß es ihnen heylsam und nützlich ( 412 ) sey; desgleichen / daß sie nicht allein für ihr eigen bestes beten sollen / sondern auch für andere Menschen / für alle fromme Christen / für ihre liebe Eltern / Geschwister / und Anverwandten / für die Obrigkeit / für Lehrer und Prediger / für alle so in Creutz und Trübsal sind / u.s.f. desgleichen / daß das Lob und der Danck Gottes ein fürnehmes ( 413 ) Stück sey des wahren Gebets / und daß sie demnach niemals vergessen sollen / GOtt den HErrn für seine mannichfältige Wolthaten / die man ihnen fein öffters fürzubilden hat / zu loben und zupreisen. Solches alles muß ihnen beweglich fürgestellet / und immer fürnemlich dahin gesehen werden / daß man ihnen durch süsse und liebliche Fürf41Stellung eine Liebe zu Gott und dem Nechsten angewinne / welche allezeit der beste Lehrmeister ist in aller Bitte / Gebet / Fürbitte und Dancksagung. Denn daß man immer zu hohem StufFen des Gebets kommet / geschiehet nicht allein äusserlich / daß man mehr Wissenschafft vom Gebet hat / oder mehr Worte im Gebet machen kan / sondern so weit man ( 415 ) in der Liebe Gottes und des Nechsten zunimmet / so weit nimmet man auch im Gebet zu. Denn die Liebe von GOttes Geist gewircket / ist an sich selbst für GOTT ein immerwährendes und würckliches Gebet im Geist und in der Warheit. Es muß aber / wie öffters erwehnet / die Liebe durch den Glauben erwecket werden / der Glaube aber ( 416 ) durchs Evangelium / oder durch die liebliche Verkündigung der Liebe Gottes gegen uns. Gehet man in solcher Ordnung fort / und lässet sich nichts irren / so wird die Aufferziehung nicht ohne Seegen seyn / und kan man sich ver­sichern / daß alles dieses / was hiervon ist erinnert worden / schon in vielen Exempeln also befunden ist / ja es hat sich noch ( 417 ) vielmehr und größerer Seegen bey einigen Kindern herfür gethan / als man jemahls gehoffet hätte / also daß die Eltern öffters zu Freuden-Trähnen bewogen worden / wenn sie die Gnade GOttes so augenschein­lich an ihren Kindern gesehen / und selbst bekennet / daß durch ein einiges Kind / welches also zum Gebet angeführet worden / sie selbst ( 418 ) und alle im Hause er­bauet würden: Welches sonderlich zu dem Ende angeführet wird / damit andere / welche nichts gutes an ihren Kindern sehen / ob sie gleich / wie sie sagen / es an Schlägen nicht ermangeln lassen / dadurch in sich schlagen mögen / und bedencken / ob sie auch an ihrer Seiten nichts an ihren Kindern verseumet / so wohl mit ernstli- ( 419 ) ehern Gebet über ihre Seelen zu wachen / und mit gutem Exempel ihnen allezeit vorzuleuchten / als auch sie zum Gebet auff eine GOtt gefällige Art und Weise an­zuführen; wiewohl sonst nicht geläugnet wird / daß auch bey einigen Kindern alle Zucht und Ermahnung / wie ernstlich und weißlich sie auch geführet wird / nichts verfangen will / in ( 420 ) welchem Fall man desto mehr im Gebet für sie ringen / und doch die Zucht und Ermahnung nicht unterlassen soll / weil manchmahl solche Bäume / die lange unfruchtbar gestanden / auff einmahl und desto häuffiger zu tragen anfangen. Wo aber solche Anführung zum Gebet durch die Gnade Gottes / der allein das Gedeyen darzu giebet / wohl ( 421 ) anschläget / da wird auch nicht aussen bleiben ein stetiges Wachsen und Zunehmen im Gebet / und je mehr die Erfahrung / welche sonderlich im Gebet herrlich und köstlich ist / mit den Jahren dazu kommet / je mehr und kräfftiger wird auch die Gabe des Gebets bey dem Menschen vermehret. Gleich wie es aber in keines Menschen Krafft ist / von ( 422 ) einer Stuffen zur andern in der Übung des Gebets zu steigen / sondern alles allein der Gnade und Gabe GOttes zuzuschreiben ist / der aber einem jeden / welcher ihn darum bittet / einfältiglich giebet / also muß sich auch ein jeglicher dafür hüten / daß er nicht seinem eigenen wollen und würcken etwas darinnen zuschreibe / sondern es genung seyn lassen / (423 ) wenn er nur die von GOtt fürgeschriebene Mittel nicht versäumet / und es ihm