7. Vom weltüblichen Tanzen, 1697

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Mensch wohl die Eitelkeit / die im Tantzen ist / und verleugnet es bald / dieweil er in steter Creutzigung seiner Lüste stehet / und in allen Dingen nicht seine Lust / son­dern GOttes Ehre von Hertzen suchet / und CHristo JEsu nachfolget / dessen gantzes Leben eine stete Verleugnung aller weltlichen Lüste ist.

III. Es streitet also auch allerdings mit der Nachfolge CHristi / welche man nicht allein nach dem äußerlichen ansehen muß / da wir uns doch auch auf das Exempel unsers Herrn und Meisters nicht beruffen könten / sondern auch und zwar fürnehm- lich nach dem innerlichen / nehmlich nach dem Sinne Christi / der in uns wohnen muß / so wir uns mit Warheit Christen nennen wollen.

Das war aber der Sinn des HErrn JEsu / sich aller weltlichen Lüste zu verzeihen / und den Willen zu thun seines Vaters. Wer sich nun nicht in eine solche wahre Ver­leugnung ergiebet / der hat den Sinn CHristi noch nie erkant / und hat noch nie angefangen ihm in seinen Fußstapffen nachzufolgen. Ach es erfodert die Nachfolge CHristi eine wahre Abgestorbenheit. Wer aber der Sünden und Eitelkeiten dieser Welt warhafftig abgestorben ist / wie solte er noch ferner darinnen leben?

IV. Es streitet dann auch das heutige weltübliche Tantzen mit dem / was Paulus saget / Col. III. vers.16. Alles was ihr thut mit Worten oder mit Wercken j das thut alles in dem Namen JESU / und dancket GOTT und dem Vater durch Ihn. Dieses muß allerdings auch eine Grund-Regel aller unsrer Handlungen seyn / wenns nicht heydnische / sondern Christliche Handlungen seyn sollen.

Man verstehet ja aber auch wohl in dem gemeinen Leben / daß in eines Nahmen etwas thun so viel sey / als auff eines andern Autorität / Befehl / Beruff und Willen etwas thun. Nun solte man ja nicht glauben / daß jemand in seinem fleischlichen Sinn so gar verblendet und verhärtet sey / daß er sich bey dem heutigen weltlichen Tantzen auf des HErrn JEsu Autorität / Befehl / Beruff und Willen / ja auff seine Wirckung und Anruffung seiner Hülffe beziehen solte. (b l a ) Vielmehr pfleget die Welt zu sagen: Man kan nicht immer beten; Und ist also von dieser Erkäntniß gar weit entfernet / daß alles unser Thun und Lassen vom Christenthum müsse regieret werden. Die Welt pfleget gar keine Regeln zu setzen / nach welchen sie ihre Hand­lungen einrichtet / sondern wie es die Gelegenheit mit sich bringet / und es ihrem Fleisch und Blute gelüstet / (wenn sie nur nicht äußerliche Schande oder Schade davon abhält) so handelt sie. Wenn aber einer erst anfänget sein Thun und Lassen nach GOttes Wort zu examiniren / so wird er bald selbst finden / daß er der Welt Eitelkeiten gute Nacht geben müsse / und daß er manches müsse anstehen lassen / das er vorhin gemeynet mit gutem Gewißen zu thun.

V. Die Liebe der Welt muß von einem Christen nicht halb / sondern von Hertzen weggeleget werden / wie Johannes saget: Habt nicht lieb die W r elt / noch was in der Welt ist / so jemand die Welt lieb hat / in dem ist nicht Liebe des Vaters / 1. Joh.2,15. Was solte aber einem anders zum Tantzen treiben als die Welt-Liebe? Lege den weltlichen Sinn ab / so legest du die Lust zum Tantzen ab. Aber das ist die Sache / daß die Menschen / und sonderlich die Fürnehmen und Reichen / so gern ein halbirtes Christenthum haben / da man zugleich GOtt und der Welt / CHristo und seinem Fleisch und Blut diene. Mit dem Maul schreyet sichs leicht: Gute Nacht o Wesen / das die Welt erlesen / mir gefälst du nicht; 7 Aber es ist keine Warheit / und zeiget sich gar anders / wenns auff die Probe kömmt. Wer CHristo nachfolgen will / der muß sich selbst verleugnen / und sein Creutz auff sich nehmen NB. täglich / und ihm nachfol­gen / Luc. IX,23. Das lerne die Welt / so wird sie das Tantzen vergessen.

7 Vgl. EKG 293, 5.