Vorwort.
und unverstellt, mit allen seinen Schwachen, Neigungen und Bestrebungen, kurz, in seiner ganzen Eigenthümlichkeit, so daß, wenn er auch selbst nicht vollkommen klar sein Inneres erkannt hatte, doch ein aufmerksamer und nachdenkender Leser wohl ein ziemlich treues Bild des Mannes aus jenen schriftlichen Mittheilungen sich wird zusammensetzen können. Hat es doch Menschen gegeben, die sich die Fertigkeit erworben hatten, aus der unverstellten Handschrift das eigenthümliche Wesen eines Andern zu erkennen — wie sollte dieß nicht aus dem Inhalte des Geschriebenen noch weit leichter und vollständiger zu beurtheilen seyn, vorausgesetzt, daß der Schreibende nicht absichtlich täuschen wollte, was eben bei einem Tagebuche und bei vertraulichen Briefen kaum angenommen werden kann.
Diese Quellen waren es, aus denen auch hauptsächlich die Lebensbeschreibungen geschöpft wurden, die wir im Folgenden mittheilen. Zwar sind es nicht eigentlich Selbst-Biographien zu nennen; aber doch konnten wir die Manner, deren Leben und Gesinnung hier geschildert werden sollte, oft selbst sprechen lassen; und wo dieß nicht der Fall ist, da wurde der Bericht aus den glaubwürdigsten Mittheilungen Anderer geschöpft, die jenen Männern nahe standen und sie und ihre Wirksamkeit genau kannten, so daß eine wahrhafte und auch in den einzelnen Zügen treue Schilderung ihres eigenthümlichen Wesens und Wirkens gegeben werden konnte.
Wenn es aber überhaupt anziehend und lehrreich ist, das innere und äußere Leben eines nicht unbedeutenden Menschen in einem treuen Bilde anzuschauen; so muß dieß wohl in einem vorzüglichen Grade bei dem Leben eines Missionars der Fall seyn, eines Missionars nämlich, wie er seyn soll — eines Mannes, der mit ganzer Seele und mit allen Kräften dem hohen Berufe lebt, Seelen, die, noch fern vom lebendigen Gott, im Dunkel des Unglaubens und Aberglaubens besangen sind, zu erleuchten mit dem Lichte der göttlichen Wahrheit und durch den Heiland, der allein der Weg, die Wahrheit und das Leben ist, zum Vater zuführen.