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Später machte die merkwürdige und erweckliche Schrift August Hermann Francke's, des berühmten Gründers des Hallischen Waisenhauses, die er unter dem Titel: Segensvolle Fußtapfen des noch lebenden und allwaltenden Gottes, herausgegeben hatte, einen tiefen Eindruck auf das Gemüth des Jünglings und erregte den lebhaften Wunsch in ihm, eine Zeit lang in Halle, wo jener fromme Mann gelebt und gewirkt hatte, zu studiren. Er kam dorthin im Jahre 1746, nachdem er sich auf der Schule wohl vorbereitet und an ein ein» fachcs Leben und mannichfache Entsagungen gewöhnt hatte, was ihm für seinen künftigen Beruf, von dem er damals noch keine Ahnung hatte, wohl zu Statten kam. Wie sehr er sich hier durch Fleiß und sittlichgutes Verhalten empfahl, geht daraus hervor, daß er noch als Student zum Lehrer am Waisenhause ernannt und ihm vom Director das Halten der Abend-Andachten übertragen wurde. Die Vorlesungen der Professoren Michaelis, Freylinghausen und Knapp und besonders der Umgang mit dem eben so- gelehrten als gottesfürchtigen Professor Fr ancke, dem Sohne des oben erwähnten Stifters des Waisenhauses, waren sehr ersprießlich für ihn und bestärkten den Entschluß, sein ganzes Leben Gott zu weihen.

Sehr nützlich für seine künftige Bestimmung und eine Vorbereitung dazu war auch besonders dies, daß er veranlaßt wurde, sich einige Kenntniß der ta mulischen Sprache zu erwerben, um bei der Corrcctur der tamulischen Bibel- Ucbersetzung behülflich seyn zu können, deren wiederholter Druck eben damals in Halle vorbereitet wurde. Es war eben dies die Sprache, die ihm später in Ostindien so un­entbehrlich war, und bald sollte ihm Gelegenheit werden, von seiner Bekanntschaft mit dieser Sprache unter den Völkern selbst, die sie sprechen, als Heidenbekehrcr Gebrauch zu machen. Seit nämlich die eifrigen Männer, Bartholo- mäus Aiegenbalg und Heinrich Plätscho als erste evangelische Missionare im Jahre 1706 vom König von Dänemark, Friedrich IV., nach Ostindien gesendet, dort eine evangelisch-christliche Gemeine und Schule in Trankebar gegründet hatten, war das Bedürfniß und die Pflicht, für die Bekehrung der Heiden zu sorgen, immer mehr erkannt und ein lebhafterer Eiser dafür reg« geworden.