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Durch Ziegenbalg, diesen ausgezeichneten Mann Gottes, war schon im Jahre 1711 die Uebersetzung deS neuen Testaments ins Tamulische vollendet wor­den, in eine der weitverbreitetsten Sprachen Ostindiens.

Nach jenes Mannes frühem Tode wurde das mit Gott begonnene und von ihm gesegnete Werk von andern würdi­gen Männern fortgesetzt, unter denen besonders der Missionar Schultz durch seine lange und eifrige Wirksamkeit aus­gezeichnet ist. Er vollendete die tamulische Uebersetzung des alten Testaments, die Ziegenbalg begonnen hatte, und übersetzte auch die heiligen Schriften in die hindosta- nische Sprache. Er leitete längere Zeit die dänische Mission und wirkte vorzüglich auch mit zur Errichtung einer englischen Mission in Madras und zur weuern Ausdehnung und eifrigern Betreibung des Bekehrungsgeschäftes in Ostindien überhaupt; ihm vornehmlich verdankten auch die Bewohner dieser Länder die Gründung einer Bildungsanstalt für eingeborne Jünglinge zum Katechisten - und Schullehrcr- dienst und einer tamulischen Schule für Heidenkinder unter der Leitung eines christlichen Lehrers. So war bis zum Jahre 1750 die Zahl der durch größtentheils deutsche evangelische Missionare in Ostindien zum Christenthum Bekehrten bis auf S000 angewachsen.

Um so mehr mußte man daraus bedacht seyn, neue Evangelisten nach Ostindien zu senden, da mehrere von denen, die früher dort thätig gewesen waren, ein frühzeiti­ger Tod, wahrscheinlich eine Folge des Klima's, hinweg­gerafft hatte, und Schultz, einer der thätigsten, ebenfalls wegen geschwächter Gesundheit, auch genöthigt worden war, nach Europa zurückzukehren.

An den Professor Francke war deshalb die Aufforderung ergangen, einige tüchtige junge Männer für die Mission zu gewinnen, und als Schwartz dieses erfuhr, erwachte in ihm der Gedanke, sich selbst dazu anzubieten. Er reiste sofort nach Hause, und sobald er die Einwilligung seines Waters erhalten und, zum Besten seiner Geschwister, auf sein väterliches Erbe Verzicht geleistet, kehrte er nach Halle zurück, fest entschlossen, sein Leben dem großen Berufe der Heidenbekehrung zu weihen, zu dem er sich von Gott selbst bestimmt glaubte. In Kopenhagen erhielt er im Jahre 1749 mit noch zwei Andern die priesterliche Weihe und