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Wanderungen durch die Umgegend, wobei ihm vielfache Gelegenheit gegeben wurde, Heiden und Muhamedaner auf das Eine, was noth ist, hinzuweisen und die schon Bekehrten im Glauben zu befestigen. Oft versammelte er sich mit seinen Genossen zu gemeinschaftlicher Besprechung und Be­rathung über die wichtigsten Angelegenheiten ihres Berufs und zu gemeinsamem Gebet.

Mein Herz und Sinn, meine Gedanken und Be­gierden, mein Plan und mein ganzer Wille sollen ganz und gar dem Willen meines himmlischen Vaters hingegeben seyn. Nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe, daß nun dein Reich komme in Indien, zu mir und zu Allen, welche auf Erden leben!" so schreibt er an den Prof. Francke in Halle und zwei Jahre spater an einen andern Freund in Europa: Möge der Herr meine Arbeit segnen. Gewiß ist, und ich lerne es taglich mehr, daß weder der da pflanzet, noch der da begießet, etwas ist; sondern Gott, der das Gedeihen dazu giebt. Wer an sich selbst und an seiner eignen Kraft im Missionslaufe ver­zweifelt, und in aller Demuth mit Gebet und Flehen auszieht, um das Verlorne zu suchen, und auf dem Früh- und Spatregen vom Herrn zu warten, der wird Segen empfangen von Gott und vor manchen unnützen Sorgen bewahrt bleiben. Und sollte auch der Segen nicht alsobald zum Vorschein kommen, so weckt doch Gott das Herz, und. wir dürfen bisweilen sagen: Aber auf dein Wort will ich das Netz auswerfen; und als sie das gethan hatten, singen sie eine große Menge Fische. Dieser Bibelspruch kommt mir oft in den Sinn und durch ihn hat Gott Armuth des Geistes und zugleich ein kindliches Vertrauen auf sein Wort in meiner Seele erzeugt."

So blieb dieser reich begabte Geist doch bewahrt vor Selbstgenügsamkeit und eitlem Selbstvertrauen, und in Demuth konnte er bei dem Gefühle seiner Schwäche und der UnVollkommenheit seiner Leistungen doch freudig und getrost fortarbeiten; denn er wußte, an wen er glaubte und sein Glaube war es, in welchem er sich selbst und die Welt überwand.

Höchst ermunternd war es für ihn und er betrachtete es als eine besondere Gnade Gottes, daß bei seinen Wanderungen in das Innere des Landes Viele, auch manche der Vornehmern unter den Hindus, ihm große