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Landessprachen verbinde. Da mir aber Nachrichten dieser Art meist nur von Solchen gegeben wurden, welche die Vorzüge eines religiösen Charakters durch das trübe Glas der herrschenden Vorurtheile anzusehen pflegen; so warm meine Vorstellungen von ihm sehr unvollkommen; und weil ich selbst damals noch keine bessere Regel des Urtheilens kannte; so mischte sich bei mir das Vorurtheil finstern Trübsinns und übertriebener Strenge in Alles, was ich von Andern zu seinem Lobe gehört hatte. Allein schon der erste Anblick dieses Mannes nöthigte mich, diese vorgefaßten Ansichten aufzugeben. Zwar war sein Anzug ziemlich abgetragen und ganz nach altmodischem Zuschnitt; aber in seinem ganzen Wesen fand ich gerade das Gegentheil von dem, was man finster und zurückstoßend an einem Menschen pennt. Stellen Sie sich einen wohlgewachsencn Mann, von etwa mehr als mittlerer Größe vor, dessen körperliche Haltung ausrecht und kunstlos ist, von ziemlich dunkler, obgleich gesunder Gesichtsfarbe, mit schwarzen gekräuselten Haaren und kraftvoll männlichem Blick, aus welchem un- geheuchelte Bescheidenheit, Geradheit und Wohlwollen fühlbar hervorstrahlt — und Sie haben eine Vorstellung von dem Eindruck, den Schwach schon beim ersten Anblick auf das Gemüth des Fremdlings zu machen pflegt. In Trankebar erwarb er sich von der tamulischcn Sprache eine gründliche Kenntniß. Um den Verkehr mit diesem Volke so vortheilhaft wie möglich zu machen, hielt er es für nothwendig, dessen eigenthümliches Religionssystem, so wie seine ganze Literatur, gründlich zu studiren, und nachdem er sich eine zureichende Bekanntschaft mit der Sprache erworben hatte, beschäftigte «r sich 5 Jahre lang damit, die mythologischen Schriften dieses Volkes genau zu erforschen. In Tritschinopoli, wo das Evangelium bisher kaum im schnellen Vorübergehen verkündigt worden war, fühlte er sich, abgeschnitten von jedem andern Umgange, doch glücklich im mündlichen und schriftlichen Verkehr mit einem andern jungen Missionar, Namens Dame, welcher zu Tanjore sich niedergelassen hatte, und eben so hingebungsvoll und eifrig, wie er selbst, im Dienste seines göttlichen Meisters war. Derselbe Sinn und Geist und Beruf knüpfte zwischen Beiden das engste Band vertrauter Christenftcundschast, das Edelste und Genußreichste, was eS auf der Erde giebt.