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An ein neunjähriges Mädchen, die Tochter eines Freundes, schreibt er: Es ist schon lange, daß ich im Sinns hatte, Dir ein Briefchen zu schreiben, da Du von früher Jugend an meinem Herzen nahe bist. Eben darum ist es natürlich, daß ich Dir von Herzen Gutes wünsche und vor Allem darnach verlange, daß es Deiner unsterblichen Seele Wohlergehen möge. Ich bin fest überzeugt, daß Deine liebe Mutter Alles thun wird, was in ihren Kräften steht, um Dich auf den Pfaden christlicher Gottseligkeit zu erziehen; indeß dürfte immer noch die wohlgemeinte Ermah­nung eines alten Freundes ein Plätzchen bei Dir finden.

Da Gott uns zu vernünftigen Geschöpfen gemacht hat, so ist es billig unsre erste Sorge, unsern Verstand mit nütz­lichen Kenntnissen zu schmücken. Nun ist uns das Wort Gottes vorzugsweise dazu gegeben, uns weise zu machen zur Seligkeit. Es lehrt uns auf die beste Weise, wer Gott ist, und was wir sind, und führt uns zu Jesu Christo, dem hochgelobten Heiland, der Kraft und Liebe genug hat, uns von unsern Sünden zu befreien und zu geliebten Kin­dern Gottes zu machen. Ich hoffe, daß Du das Beispiel und die Anweisung Deiner guten Mutter gern benutzen wirst, um täglich in der göttlichen Erkenntniß Jesu Christi zuzunehmen. Außer unsern Erkenntnißkrästen haben wir auch noch einen Willen, um etwas zu erwählen, oder zu verwerfen. Ist nun unser Wille auf Gott gerichtet, so werden wir Ihm gern gehorsam seyn; ncigt sich dagegen unser Wille zur Welt und zu sündlichen Dingen, so werden wir Ihm den Gehorsam verweigern. Wie nun ein wohl- geleitetcr Wille ein Vorschmack des Himmels auf der Erde ist, so ist auf der andern Seite ein eigensinniger und un­gehorsamer Wille die Quelle des größten Jammers. Darum bitte ich Dich, mein liebes Kind, den Willen Gottes zu dem Deinigen zu machen, um auch, wie der Heiland/ vom Herzen sagen zu können: Nicht mein, sondern Dein Wille geschehe, o Gott! :c."

Und später, als der Vater gestorben war, schreibt er abermals an die Tochter seines verewigten Freundes und an ihre Geschwister:Die gute Nachricht von Eurer Gesundheit und von Euren Fortschritten in nützlichen Kenntnissen macht meinem Herzen große Freude; besonders aber das Zeug­niß Eures kindlichen Gehorsams, das Eure gute Mutter Euch