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des Evangeliums die Gerechtigkeit Jesu Christi betrifft, so lassen Sie uns darnach trachten, diese vollkommene Ge­rechtigkeit als einen Panzer anzulegen, der unsere Brust be­deckt und unser Gewissen schützt, so daß nichts Verdamm- liches uns beunruhigen kann. Da nun das Evangelium diese herrliche Gerechtigkeit Christi in sich faßt und darbietet, so wollen wir uns gerüstet halten, um dieses Evangelium des Friedens fertig zu gebrauchen, wenn unsre Feinde unsre« spotten. Das Evangelium ist unsre Waffenrüstung; und da unsre Feinde nicht blos verführen, sondern auch drohen, st wollen wir in solchem Fall den Schild des Glaubens ergrei­fen und auf die Vorsehung unsres himmlischen Vaters uns verlassen. Unser Glaube an die Güte, Macht und Wahr» baftigkeit Gottes ist unser Schild, durch welchen wir die feurigen Pfeile des Bösewichts nicht blos von uns abhalten, sondern auch auslöschen können. Die herrlichen Verheißungen, welche Gott für die Erhaltung und Bewahrung seiner Kindev in seinem Worte gegeben hat, und die gewisse Zuversicht, daß ihnen Alles zum Besten dienen soll, haben Kraft genug, das Herz zu beruhigen. Ja, wenn wir auch hienieden zu leiden haben, so wollen wir aufblicken auf das große Heil, das nach kurzer Zeit unser Erbtheil seyn soll, und dasselbe als einen Helm für unser Haupt gebrauchen, damit wir nicht matt werden. Und wenn unsre Widersacher mit spitz­findigen und knotigen Fragen uns fangen und verwirren wollen, so lassen Sie uns nach dem Schwert des Geistes, dem Worte Gottes greifen und alle diese Knoten auseinander hauen.

Bei all dieser freudigen Zuversicht wollen wir aber doch nicht stolz und übermüthig werden, sondern die nöthigste Grundlage des Christcnsinnes, die Armuth des Geistes be­wahren und stets beten in allen Anliegen mit Bitten und Flehen im Geist. Welche göttliche Waffen werden uns hier nicht angeboten! Sie selbst zu kennen ist gut; aber sie an­zulegen und zu gebrauchen ist noch viel besser.

Unsre ersten christlichen Brüder haben von diesen Waffen einen wahrhaft mannlichen Gebrauch gemacht. Möge der Geist Christi uns tüchtig machen, tapfre und treue Soldaten unsers Herrn zu seyn. Lassen Sie uns Ihn bitten, daß «r uns täglich und stündlich stärke, bis der Kampf vorüber ist und wir sagen können: es ist vollbracht! ich habe einen guten Kamps gekämpft."