Von einer Bekehrung konnte, nach seiner Meinung, bei ihm gar nicht die Rede seyn, so wenig, wie von einem verderbten Herzen. Wohl mußte er die Schwäche der menschlichen Natur anerkennen; aber diese erschien ihm als etwas ganz Natürliches und Nothwendiges und eben darum auch als etwas selbst in den Augen Gottes sehr Verzeihliches., Der Zuruf: Thue Buße und glaube an unsern Herrn Jesum Christum! konnte also unmöglich ihm gelten. War er sich doch keines eigentlich sogenannten Verbrechens bewußt, und glaubte er doch, daß Jesus Christus erschienen sey zum Heil der Menschen, und meinte, dieses Heiles gewiß zu seyn. Wie mochte er nun die ernst mahnenden Worte: Du mußt es tief empfinden, wie unwürdig und untüchtig du selbst bist, um dich zu Christo zu wenden — auf sich beziehen? und wie mochte er mit dem gerührten Sünder beten: „So muß ich also zum Kreuze gehen, um das Leben zu gewinnen, muß jeden Gedanken von eigner Gerechtigkeit aufgeben und Alles von der göttlichen Gnade erwarten. O Herr! bezähme du Mein Herz! bändige meinen Stolz und Eigendünkel!" — Er legte das Buch weg — mochte es für Andere geschrieben seyn — für ihn (so meinte er) sey es nicht, und doch sollte er bald erkennen und es von seinem eignen Herzen erfahren, daß gerade an ihn jene Worte gerichtet waren, und sollte noch dem längst Dahingeschiedenen für seine liebevolle, ernste Mahnung mit tiefbewegter Seele danken.
Der sehnliche Wunsch und die Hoffnung, bald mit Ehren öffentlich austreten zu können, und das eifrige Streben nach dieser Ehre, hatte so ganz seine Seele eingenommen und seine Thätigkeit beschäftigt, daß der Gedanke an den Tod und an das höhere Leben, wenn auch nicht gänzlich vertilgt, doch völlig in den Hintergrund zurückgetreten war.
Der Tod des Vaters und der Brief seiner Schwester, worin sie ihm denselben meldete, weckte plötzlich jenen ernsten Gedanken in seiner Seele auf. Sie schrieb ihm, wie der Sterbende noch kurz vor seinem Entschlafen ausgerufen habe: Es ist Alles eitel! Alle irdische Weisheit, aller irdische Glanz und Ruhm ist nichts! Und als ein Freund ihn wohlwollend an seinen unbescholtenen Lebenswandel, an das viele Gute, was er gethan, erinnerte, hab' er mit wehwüthiger Miene ihm Stillschweigen geboten