106 —
hervorgeht, daß man ihn als einen Jüngling bezeichnete, der keine Stunde verloren habe. Dennoch gesteht er selbst, daß xr, obgleich seine höchsten Wünsche erreicht waren, doch gefühlt habe, daß die irdische Ehre und das Lob der Menschen etwas Nichtiges sey, was dem Herzen keine volle und dauerhafte Befriedigung gewahrt, das einmal das Wort des ewigen Lebens vernommen und die Sehnsucht nach dem Himmel empfunden hat. Gleichwohl hätte sein von Natur so ehrbegicriges Herz wohl leicht wieder abgezogen werden können von dem Streben nach dem Höchsten, wenn ihm nicht gerade jetzt die Ferienzeit mit ihrer Einsamkeit und stillen Aurückgezvgenheit zu Stallen gekommen wäre. ES gefiel Gott, bemerkt er, diese Zeit zu meiner Besserung zu segnen. Ich war von der Sünde überzeugter als je, entschiedener geneigt, zu Jesu meine Zuflucht zu nehmen und mehr verlangend nach der Erneuerung meiner Natur.
Sehr wohlthätig für ihn war besonders auch die engere Verbindung mit einem älteren Manne, einem würdigen Geistlichen, dessen Predigten er bisher schon mit großer Erbauung gehört hatte. Ihn fragte er um Rath und durch ihn wurde er gewarnt, ermuntert, befestigt; auch schloß er durch seine Vermittelung mit einigen edlen jungen Männern, verwandten Sinnes, ein dauerhaftes Frcundschaftsbündniß — gewiß ein großes, ja unschätzbares Glück für den Jüngling, der, lebhaften und strebsamen Geistes, im Begriff ist, in die Welt hinaus zu treten. Dadurch wurde sein Entschluß, sich selbst dem geistlichen Berufe ganz zu widmen, entschieden und befestigt. Damals schrieb er an einen Freund: „ Gott Lob! ich habe nun erfahren, daß Christus ist die Kraft Gottes und die Weisheit Gottes. Welch eine Wohlthat ist doch das Evangelium! Kein Herz kann seine Vortresflichkeit fassen, als dasjenige, welches durch göttliche Gnade erneuert ist." Und an seine Schwester schreibt er: „Die Seele, welche die Liebe Gottes wahrhaft erfahren hat, wird sich nicht mit der Frage aufhalten, wie viel sie thun solle; sie wird vielmehr ernstlich suchen, mehr und mehr den Willen ihres himmlischen Vaters kennen zu lernen, damit sie Kraft zur Erfüllung desselben erlange. Ach! daß wir Beide dieses Sinnes werden möchten! Daß wir erfahren möchten, wie Christus unser Alles in Allem ist. Wir sind Lichter in der Welt; wie nothwendig ist es daher, daß unsere Gemüthsart