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und unser ganzes Leben unsern hohen, himmlischen Beruf darlege. Wollen wir doch einander zu guten Werken an­feuern und nicht zweifeln, daß Gott unsere schwachen Be­mühungen zu seinem Ruhme segnen werde."

So waren diese Geschwister sich gegenseitig eine Er­munterung zu christlicher Frömmigkeit, auch gelrennt von «inander, und leicht läßt sich denken, wie angenehm und förderlich zur Gottseligkeit ihm die vertrauten Gespräche mit der schwesterlichen Freundin im stillen Schooße seiner Familie seyn mußten, die er, bald nachdem er jene Briefe geschrieben hatte, auf einige Zeit besuchte. Bald sollte er, dem Leibe nach, weit und auf immer von ihr getrennt werden. Bereits hatte er sich, wie bemerkt wurde, dem evangelischen Prediger­amte mit ganzer Seele und allen Kräften gewidmet; aber es genügte ihm nicht, das Wort des Lebens seinen Brüdern in der Heimath zu verkündigen er wollte, wo möglich, auch den Heiden in fernen Landen ein Bote des Heiles werden, wie Schwartz und Carcy den Ostindiern, und wie Brainerd, dessen Leben er gelesen, der mit apostoli­schem Eifer den Nordamerikanern das Evangelium predigte und mit unaussprechlicher Standhaftigkeit und Freudigkeit die größten Beschwerden ertrug, um Seelen für den Himmel zu gewinnen.

Die Ermahnung des Heilandes: Gehet hin uuh lehret alle Völker, glaubte er, gelte auch ihm, und da er sich, im Vertrauen auf die göttliche Kraft, tüchtig zu diesem Berufe fühlte, so beschloß er, Missionar zu werden, nachdem er Alles reiflich erwogen und, was bei keinem Vorhaben, am wenigsten bei einem so entscheidenden Schritte, vergessen werden darf, brünstig zu Gott gebetet hatte. Doch faßte er diesen Entschluß, so feurig seine Liebe zum Heilande und so groß sein Eifer für die Ausbreitung des Evangeliums war, nicht ohne manchen harten Kampf; denn er mußte sich losreißen von Allem, was ihm hienieden das Theuerste und Liebste war, von Verwandten, Freunden und Vaterland und von dem Genusse, den die Beschäftigung mit den Schätzen der Kunst und Wissenschaft gewährt. Doch nichts konnte ihn wankend machen m seinem Ent­schluß, nachdem er einmal ihn mit Gott gefaßt und für das Rechte erkannt hatte. Er bot seine Dienste der englischen Gesell­schaft für Missionen nach Afrika und dem Orient an, und