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Gefühle meiner Unwürdigkcit und Sündhaftigkeit, in einer daraus hervorgehenden Unterjochung meines Willens und in Willigkeit zur Arbeit, zur thätigen Anstrengung bin ich befestigt worden. Meine Seele billigt vollkommen das göttliche Leben und es ist mein einziges Verlangen, ihm ganz geweiht zu seyn." Er ruft Gott an um Verstand und Kraft, ihn zu einem langen Kampfe und zu bestandiger Verleugnung geschickt zu machen, um Licht, zu erkennen, warum er hierher gestellt, wie kurz die Zeit, wie hochwichtig die Arbeit für Seelen sey, und vor Allem um das lebhafte Gefühl, wie sehr er die Verdammniß verdient habe.
In der That wurde er auf mannichfache Weise geprüft; aber er bestand in diesen Prüfungen mit Gott und ging,starker und geläuterter daraus hervor. Er verlor sein ganzes geringes väterliches Erbe, was ihn weniger gekümmert haben würde, wenn dieser Verlust nicht zugleich seine Schwester, die er so innig liebte und die hinwiederum an dem gleichgesinnten Bruder mit der zärtlichsten Liebe hing, getroffen hätte, die dadurch in eine Hülflose Lage versetzt wurde. Es schien dieß seinem brünstigen Verlangen, Missionar zu werden, worin er seine Bestimmung erkannt zu haben glaubte, ein großes Hinderniß in den Weg zu legen, ja wohl gar die Erfüllung seines angelegentlichsten Wunsches unmöglich zu machend Doch er tröstete sich mit den Worten: Nicht wie ich will; sondern wie du willst, o Herr! und er beschloß, ruhig sein Schicksal der höhern Leitung zu überlassen, gewiß, daß sie ihn dem erwünschten Ziele zuführen werde, wenn es der Wille Gottes sey. Er ging indeß, um, was menschliche Klugheit vermag, nicht zu versäumen,'nach London, um sich in seiner mißlichen Lage mit einigen erfahrnen Freunden zu berathen, und merkwürdig ist eine Aeußerung, die er während seines Aufenthalts in der Hauptstadt, wo er einige freie Stunden auf die Betrachtung vortrefflicher Kunstwerke, auf das Lesen guter Dichter und auf Musik verwendete, in sein Tagebuch niederschrieb: „Seitdemich, sagt er, eine beseligende Erkenntniß Gottes habe, besitzt Malerei, Poesie und Musik Reize für mich, die mir vorher unbekannt waren. Wirklichen Geschmack daran habe ich, wie es mir scheint, erst jetzt erhalten; denn die Gottesfurcht hat mein Herz veredelt und für Eindrücke des Erhabenen und Schönen empfänglich ge-