macht. Wie sichert uns doch die Religion den erhöhten Genuß der Vergnügungen, welche so Vielen eine Quelle des Stolzes (und, hätte er hinzusetzen können, eitler, üppiger Sinnenlust) werden, und sie von Gott entfernen.!" — Gewiß, es ist sehr wahr: wie nur der Gottesfürchtige überhaupt sich wahrhaft, Gott wohlgefällig freuen und trauern kann-, so kann auch nur er allein wahrhast und mit Segen des Genusses sich erfreuen, den Kunst und Wissenschaft gewähren, und das Christenthum ist so wenig dem entgegen, daß es vielmehr jeden Genuß dieser Art, der an sich erlaubt ist, veredelt und gleichsam verklärt. Das rechte Maaß in dem Allen wird nur der Goltesfürchtige treffen, und nur in seiner Hand wird es ihm selber und Andern nicht, wie den fleischlich Gesinnten, verderblich, sondern wahrhaft nützlich werden — so wahr ist der Spruch: Die Gottseligkeit ist zu allen Dingen nütze und hat die Verheißung dieses und des zukünftigen Lebens.
So bestrebte er sich, ruhig der Zukunft entgegengehend, als Prediger und Seelsorger dem ihm anvertrauten wichtigen Amte zu genügen. Er hielt erweckliche Predigten, regte christliche Privatvereine an, besuchte die Armen, Betrübten und Sterbenden, warnte die Leichtsinnigen und Ausschweifenden. Oft brach er sich selbst von den wenigen Stunden ab, die den wissenschaftlichen Studien und der Erholung bestimmt waren, um den Elenden Trost zu bringen und die sichern Sünder zu wecken; ja oft nach einem Tage voll Arbeit las und betete er noch mit seinem Diener, und seine stäte Sorge war:
Mit Himmclsöl die Lampe aufzufüllen, Und mit der Hoffnung, die nie irren läßt.
So konnte er an seinem 24sten Geburtstage vor Gott bekennen: „Viel ist noch zu thun als Christ und als Pfarrer; doch läßt mir die schon erfahrene Langmuth Gottes keinen Zweifel, daß ich den ganzen Weg werde durchgeführt werden. Ich fühle, daß mein Herz ganz dem Himmel angehört und die Welt größtcntheils hinter mir liegt."
Er war überzeugt, daß er, um Andern durch Lehre und Leben ein Beispiel zu seyn, vor Allem über sich selbst wachen müsse, um nicht, indem er Andern predigte, selbst verwerflich zu werden. Ost brachte er ganze Abende im Gebete und demüthiger Selbstbetcachtung zu; — die er-
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