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Anderes dem Aehnlich» nichts als Menschensatzung sei; aber dennoch trugen sie kein Bedenken, dieß abgöttische Wesen mitzumachen und so zu Heuchlern zu werden. Andern war die ganze Religion nichts als eine leere Form, und er em» Pfand es mit großem Schmerze zugleich und mit Demuth, daß alle seine Bemühungen, alle seine Worte ganz umsonst seyen, wenn nicht Gott selbst die Herzen der Verblendeten und Verstockten kräftig rühre und erschüttere. Doch wurde er nicht muthlos, sondern, wie es recht war, er setzte nun um so mehr sein ganzes Vertrauen auf Gott, dessen Kraft in dem Schwachen mächtig ist und eben da am mächtigsten, wo die menschliche Schwäche am größten ist. Die gast­freundlichen Einwohner, von denen er nach kurzem Aufent­halle mit herzlichem Danke und mit inbrünstigem Gebet für ihrer Seelen Seligkeit schied, hatten, bemerkt der Verfasser seiner Lebensbeschreibung, ohne es zu wissen, einen Engel beherbergt, und gewiß ist auch manches Wort von ihm auf Huten Boden gefallen und hat, wir wollen es hoffen, viel­leicht noch spät, reife Frucht für den Himmel getragen. Der Gedanke, daß jedes gute Wort auch eine gute That ist, und ewig fortzuwirken und tausendfältige edle Frucht zu bringen vermag, ist eben so erhebend, als furcht­bar und niederschlagend das Bewußtseyn, durch ein böses Wort vielleicht auf ewige Zeiten hinaus unüber- fehl ich es Böse gewirkt zu haben. Und doch, wer bürgt Dir dafür, daß nicht ein Wort, das Du leichtsinnig hingesprochen, forttönt in der Seele des Hörers, und wikder- holt von ihm, in tausend andern Seelen, mit verstärktem Schalle, sorltönt und daß Du einst, zu Deinem Schrecken, beim Weltgericht, den Nachhall vernimmst und die Stimme des gerechten Richters, die Dich verdammt. Darum bedenke wohl jedes Wort, das Du aussprichst, und beson­ders dann, wenn Andere auf Deinen Ausspruch achten, und wenn junge Menschen Dich hören, deren Gemüth so empfänglich ist für jedes gute und für jedes schlechte, ver­führerische Wort. Wenn wir Rechenschaft geben sollen dem Allwissenden und Heiligen für jedes unnütze Wort, das wir gesprochen haben, wie der Herr sagt, wie vielmehr für jedes böse Wort! Darum lasset uns beten ohne Unterlaß und wachen!

Di« Soldaten auf dem Schisse, das unsern Marty»