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gung seiner Seele ftin erstes und wichtigstes Geschäft seyn zu lassen, um nicht, indem er Andern predigte, selbst verwerflich zu werden. So nur glaubte er, den Pflichten seines Amtes, als Missionar, mit Gottes Hülfe, Genüge leisten zu können, obgleich er sich selbst so groß war seine Demuth auch bei dem eifrigsten Streben, nie genügte. Mögen alle meine Gedanken das war sein tägliches Morgengebet auf Gott gerichtet seyn! Möge ich von allen Geschäften, von allen Freuden dieser Welt so ungefesselt leben, daß ich in jedem Augenblicke bereit sei, abgerufen zu werden und in eine andere Welt überzugehen. Eifrig fuhr er fort, an der Uebersetzung der heiligen Schriften in das Hindustanische und Persische zu arbeiten und fand in dieser Beschäftigung einen wahrhaft himmlischen Genuß.Wie viel Dank ruft er aus bin ich dem Herrn schuldig, daß er mir gestattet, an der Uebersetzung seines Works Theil zu nehmen. Nie zuvor habe ich solche Wunder der Weisheit und Liebe in diesem heiligen Buche erblickt, als seitdem mich mein Beruf dazu führt, jeden einzelnen Ausdruck des Grundtertes zu studiren, und es ist ein köstlicher Gedanke, daß selbst der Tod uns nicht des Vergnügens berauben darf, in diesen göttlichen Geheimnissen zu forschen." So eifrig und unermüdet war er bei diesem hochwichtigen Geschäfte, daß er selbst bis­weilen einen Theil der Nacht damit zubrachte, über eine schwierige Stelle nachzudenken, um sie recht treu und ver­ständlich zu übersetzen.

Welche Freude für ihn, wenn ihm dann ein Helles Licht aufging, und wie dankte er Gott, dem allein er diese Erleuchtung zuschrieb, für seine Gnade.

Wahrend er mit dieser Arbeit so angelegentlich beschäf­tigt war, wurde ihm eine sehr schmerzliche Prüfung von Gott auferlegt. Er erhielt die Nachricht, daß seine ältere, zärtlich geliebte, ganz gleichgesinnte Schwester dem irdischen Leben entnommen sey. Wohl glaubte er, daß sie im Herrn gestorben und selig sey; aber doch zerriß ihm die Todesbot­schaft das Herz. Er hatte sie so innig geliebt, war ein Herz und eine Seele mit ihr gewesen.Ich wundere mich ruft er aus daß ich noch am Leben bin, daß nicht dasselbe Band, das uns im Leben vereinte, auch Beiden in demselben Augenblicke den Tod gebracht hat. Großer,