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gnadiger Gott! was würde ich nun thun ohne dich? Aber jetzt bekennest du dich auch zu meiner Seele als der Gott alles Trostes nie war ich dir so nahe." Seine Schwe­ster war ein Muster einer guten Gattin und Mutter ge­wesen; aber das war es nicht, was ihr Freudigkeit im Tode gewährte sie fühlte,, wie ihr Bruder, tief ihre eigene Sündhaftigkeit und Unwürdigkeit vor Gott; aber auch die unendliche Fülle der göttlichen Gnade, und ihr Troff in den letzten Stunden war das Wort des ewigen Lebens gewesen: Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingebornen Sohn gab, auf daß Alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, son­dern das ewige Leben haben.

Martyn berrachtete diese Trennung als eine Aufforderung Gottes, sich immer mehr gänzlich loszusagen von allem Irdischen und Vergänglichen, und ganz sein Gemüth nur auf das Eine zu richten, was er als seinen Beruf erkannt hatte, auf die Bekehrung der Ungläubigen.Mein Herz" schreibt er längere Zeit nachher,ist noch immer gepreßt; aber es ist nicht eine Traurigkeit, die den Tod wirkt. Wenn auch die Natur darüber klagt, daß ihr alle Hoffnung, diese liebe Gefährtin noch auf Erden zu sehen, genommen ist; so ist doch der 'Glaube dadurch zu noch größerer Thätigkeit erhoben. Wie es doch so süß ist, Allem hicniedcn abge­storben zu seyn, der Ewigkeit allein zu leben; den kleinen Raum, der zwischen uns und der Geisterwelt liegt, zu ver­gessen und in beständigem Ernste zu leben. Der Ernst, den diese Traurigkeit erzeugt, ist unbeschreiblich köstlich; wenn ich ihn nur immer behaupten könnte!"

Dinapore, wo er jetzt lebte, lag mitten unter den Heiden und war zugleich ein Ort ruhiger Aurückgezogenheit. Beides bestimmte ihn, einer dringenden Aufforderung, als Prediger nach Ealcutta zu gehen, nicht Folge zu leisten, weil er es einmal für seinen Beruf hielt, den Heiden das Evangelium zu verkündigen, so einladend, in mehr als einer Hinsicht, sonst jene Aufforderung für ihn seyn mußte.

Doch würde er, ohne Zögern, den Ort seines jetzigen Aufenthalts verlassen haben, wo er so ganz seinem heiligen Berufe leben zu können wünschte, wenn er geglaubt hätte, es sey der Wille Gottes; denn er mochte durchaus nicht seinem eignen Willen folgen, sein Glück und seine Bestim-